Widersprüchliche Zeugenaussage: Verfahren gegen 35-Jährigen eingestellt

Messerattacke im Suff

Treysa. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich am Donnerstag ein 35-Jähriger aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg vor dem Treysaer Amtsgericht verantworten. Dem Mann wurde zur Last gelegt, seine Ex-Freundin aus dem Altkreis Ziegenhain mit einem Brotmesser angegriffen und verletzt zu haben.

Im Oktober 2009 war der Angeklagte mit seiner Ex-Freundin in der im Altkreis gelegenen Wohnung ihrer Eltern und half ihr bei der Wohnungsauflösung. Am späten Nachmittag kam die ebenfalls im Haus wohnende Halbschwester der Ex-Freundin hinzu. Zusammen tranken sie Wodka und einige Flaschen Bier.

Zwei Versionen des Hergangs

Nach Aussage des Angeklagten gerieten die 37-jährige Ex-Freundin und deren 47-jährige Halbschwester gegen 19.30 Uhr aufgrund einer Familienangelegenheit in Streit. Bei dem Versuch, diesen Streit schlichten zu wollen, sei seine Ex-Freundin mit einem Messer auf ihn losgegangen. Er habe sie gefragt: „Was willst du denn jetzt mit dem Messer?“ Sie habe nichts dazu gesagt und ihn weiter bedroht, sagte der 35-Jährige aus. Beim Versuch, ihr das Messer abzunehmen, habe er in die Klinge gegriffen und sich an der Hand verletzt.

Keine Stichverletzungen

Die Ex-Freundin hatte das Geschehen gegenüber der Polizei zunächst anders geschildert. Sie hatte angegeben, der Angeklagte habe ihr mit dem Messer in die Brust gestochen. Laut Arzt- und Polizeibericht wies die Frau zwar Blessuren im Brustbereich, aber keine Stichverletzung auf.

Vor Gericht erklärte die 37-Jährige, sie leide wegen Alkoholproblemen unter kurzzeitigen Gedächtnislücken. Vor Gericht gab sie deshalb an, sich an den Tathergang nicht erinnern zu können. Auch über Art und Ausmaß der ihr zugefügten Verletzungen machte sie keine Angaben.

In widersprüchliche Aussagen verstrickte sich auch die 47-jährige Halbschwester. Zunächst sagte sie aus, der Angeklagte habe ihre Schwester von hinten mit dem Messer angegriffen und sie in die Brust gestochen. Sie selbst sei am Daumen verletzt worden, als sie versucht habe, ihn von seinem Angriff abzuhalten. Der Angeklagte habe sie beschimpft, gegen eine Tür gestoßen und aus der Wohnung geworfen.

„Was willst du denn jetzt mit dem Messer?“

Der Angeklagte

Auf Nachfragen seitens des Gerichts und eines Sachverständigen, zeigte sich die Zeugin zunehmend verunsichert. Bei der Messerrangelei habe sie nicht sehen können, wer auf wen eingestochen habe, gab sie schließlich zu.

Unklar blieb auch, wo in der Wohnung sich die Halbschwester zum Zeitpunkt des Übergriffs aufhielt. „Ich bin dazwischen und dann ist das eben eskaliert“, sagte sie.

Aufgrund der widersprüchlichen Angaben und im Hinblick auf ein Urteil von 2010, nach dem der Angeklagte wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung eine fünfmonatige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt in Hünfeld absitzt, wurde die Verhandlung eingestellt. (zhk)

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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