Festungsjubiläum: Stadtgeschichtlicher Arbeitskreis zeigt historische Vermessung

Mit Messlatte und Karte

Zeugnisse der Baukunst: Militärbaumeister Leopold hat die Festung in Plänen dokumentiert. Die Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises stellen das Messverfahren nach. Foto: Rose

Treysa. Beeindruckende Zeichnungen und Pläne sind Zeugnis für die Baukunst der Ziegenhainer Festung: Verantwortlich dafür war einst der Festungsbauingenieur Leopold. Oberst Philipp Wilhelm Leopold – Platzmajor, Zeugwärter und Militärbaumeister – hatte unter anderem dafür zu sorgen, dass Details der Festung geheim blieben. „Verschwiegenheit bis in die Grube“ bekundet ein historisches Dokument. Pläne und Karten, aber auch die Art der damaligen Vermessung, werden Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises Treysa beim Stehenden Festzug des Festungsjubiläums (11.5.) zeigen. Aktuell bereiten sie die lebhafte Szene vor.

„Einst war die Festung zweigeteilt. Es gab einen Bürgermeister in der Vorstadt und einen in der Festung – der war gleichzeitig Festungskommandant“, erläuterte Bernd Raubert, Vorsitzender des Arbeitskreises. Heute zu sehen seien nur noch Bestandteile des ursprünglich noch größeren Grabens. Im Siebenjährigen Krieg etwa sei die Festung nicht eingenommen worden, obwohl sie vom Schafhof aus stark beschossen wurde. Leopolds gezeichneter Plan der Festung aus dem Jahre 1775 zeige, dass er alle zur Festung gehörenden Bauwerke sehr präzise dargestellt habe. Im Plan zu sehen sei etwa die Alte Mühle – die heute noch vorhanden ist. Sie habe eine große Rolle in der Wasserbewirtschaftung des Grabens gespielt. „Die Festung konnte komplett unter Wasser gesetzt werden“, erklärte Raubert.

Die Qualität der Vermessung Leopolds sei enorm gewesen. Verwendet worden seien damals üblicherweise fünf Meter lange Messlatten. Originale befinden sich im Bestand des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises – zum Jubiläum werden die Messwerkzeuge selbstverständlich gezeigt. Um die Szenen möglichst authentisch darzustellen, achtet der Festzugsausschuss auf Details: So sind alle Akteure dazu angehalten, auf neuzeitliche Erfindungen wie Brillen und Uhren zu verzichten. Auch das Mobiliar soll passend gewählt werden, die Akteure schlüpfen in Kostüme der Zeit.

Die Mitglieder des Arbeitskreises zeigen in ihrem Bild unter anderem, wie früher kartiert wurde. Diese Technik umfasst die Vermessung eines Geländes und das anschließende Einzeichnen von Punkten auf der entsprechenden Karte. „Kartiernadeln werden wir hierfür noch selbst herstellen“, erläuterte Bernd Raubert. Die Besucher des Festzuges dürfen sich dann selbst an Vermessungsübungen versuchen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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