Michael Fleck hat neue Übersetzung der Vita des Heiligen Heimerad vorgestellt

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Veröffentlichte inzwischen sein drittes Buch über das Leben und Wirken eines Heiligen: Michael Fleck (72) nach der Buchvorstellung in der Burghasunger Kirche. Foto: Pflug

Burghasungen. Ein Mann voller Widersprüche war der Heilige Heimerad, der am 28. Juni 1019 auf dem Hasunger Berg starb und dessen Verehrung die Keimzelle für die Gründung des Klosters war, das die Burghasunger Geschichte über so lange Zeit prägte. Mit einer neuen Übersetzung der Vita Sancti Heimeradi des Hersfelder Mönchs Ekkebert und der metrischen Bearbeitung durch den Mönch Erinher begab sich der ehemalige Lateinlehrer Michael Fleck auf Spurensuche.

Er fand einen Mann, der sich nur schwer fassen lässt: „Er war kein Mönch, obwohl er ein Leben von höchster Askese führte, er war kein Einsiedler, obwohl er nie länger in einer Gemeinschaft lebte, er war kein Wanderprediger, obwohl er predigte und immer wieder, meist zwangsweise seinen Aufenthaltsort änderte (...)“, heißt es in der Einleitung.

Was war die Faszination?

Trotz der umfassender Einleitung, der Analyse der zeitgenössischen Quelle(n) und der historischen Einordnung bleibt Heimerad geheimnisvoll, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet ist, das Flecks Werk eine Übersetzung ist, keine historische Biographie oder fachwissenschaftliches Geschichtsbuch. Warum etwa provozierte Heimerad immer wieder die Obrigkeiten und die Kleriker, mit denen er in Kontakt kam? Denn das viele seiner Auseinandersetzungen, wie mit Abt Arnold von Hersfeld und Bischof Meinwerk von Paderborn, teilweise selbst verschuldet waren, daran lässt Flecks Buch keinen Zweifel. Was faszinierte die Menschen des Mittelalters so sehr, dass Burghasungen nach dem Tod des Heiligen zum beliebten Wallfahrtsort aufstieg, obwohl das einzige Wunder, das er zu Lebzeiten wirkte, die Wiedererweckung eines Hahns war? Flecks Übersetzung weist dabei auf die Hingabe Heimerads an seinen Weg hin, das Seelenheil zu erlangen und beschreibt die Faszination eines Mannes, der bisweilen seine Predigten unterbrach und in den Burghasunger Teich sprang, um seine Leidenschaften abzukühlen.

Auch ein Leser ohne Lateinkenntnisse kann Flecks Arbeit leicht folgen und profitiert von der Entscheidung des Bad Hersfelders an manchen Stellen, nicht wortwörtlich zu übersetzen, um den Lesefluss nicht zu stören. Die Übersetzung dürft eine der genausten bisher sein, vergleicht Fleck im Gegensatz zu seinen Vorgängern sechs verschiedene Hand- und Abschriften. Dreieinhalb Jahre investierte der pensionierte Lehrer in die Recherche. Flecks Werk gewährt einen Einblick in das Leben eines Heiligen, dem die Geschichtsbücher bisher wenig Aufmerksamkeit widmeten und der doch mit seiner Persönlichkeit noch heute die Menschen in seinen Bann zu ziehen vermag, wenn man der gespannten Stille Glauben schenken darf, die am Freitag bei der Buchvorstellung in der Burghasunger Kirche herrschte. Bibliographische Daten: „Ekkebert von Hersfeld, Das Leben des heiligen Heimerad. Erinher Metrische Paraphrase von Ekkeberts. Leben des heiligen Heimerad.“ Herausgeber Michael Fleck. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 2014.

Von Michaela Pflug

Quelle: HNA

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