Michael Kugel von der Kasseler Weinschule gab in Ziegenhain ein Seminar

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Spielereien rund um die Sensorik: Referent Michael Kugel erklärte den Gästen, wonach Riesling und Co. duften. Fotos:  Rose

Ziegenhain. Es war ein betörendes Erlebnis im besten Wortsinne, dem sich die Gäste eines Weinseminars am Freitagabend in der Weinstube La Copa in Ziegenhain hingaben: Michael Kugel von der Kasseler Weinschule hatte nicht nur Weine mit im Gepäck, sondern auch Düfte.

Ähnlich wie ein Parfümeur erklärte er, welche Düfte in den Weinen dominieren. Dazu hatte er kleine Duftproben - eine Aromabar - mitgebracht, die die Gäste neugierig unter ihren Näschen schwenkten.

Zunächst ging es um den Riesling, „er gilt als die wichtigste und beste Weißweinsorte“. Die finessenreiche Rebsorte entwickele sich auch in kalten Klimazonen wie Deutschland. „Wir sind das kälteste Weinland der Welt. Von der Ernte bis zur Blüte dauert es 175 Tage, im sonnenreichen Italien sind es gerade einmal 70 Tage“, erklärte Kugel. Bei der Wein-Sensorik schnupperten die Gäste fröhlich um die Wette: Im Riesling entdeckten sie Zitrusnoten oder eine Pfirsichnase. Auch grüner Apfel verbarg sich zaghaft in dem guten Tropfen.

Beim Rotwein gelte es, rote Früchte zu finden. Bei der Lagerung im Holzfass dominierten Vanille und Gewürzaromen wie etwa Pfeffer, erläuterte Kugel. Die Röstaromen entstünden in „getoasteten“ Fässern. Beim Schnuppern entlarvten die Teilnehmer auch schwarze Johannisbeere, Erdbeere und Amarenakirsche. Wissenswertes erfuhren die Gäste auch beim Kelchtest: Hierbei schütteten sie eine säurebetonte Rebsorte von einem recht kräftigen Glas in einen geschwungenen Glaskelch um. „Wulstrandgläser sorgen dafür, dass ein recht breiter Strahl im Mund landet. Bei Gläsern mit ausgestelltem Rand ist er hingegen kleiner. Deshalb nehmen wir die Säure dann milder wahr“, sagte Kugel. Spannend war auch ein Test, bei dem die Teilnehmer Nasenklammern trugen. „Wir blenden jetzt die Nase als Sinn aus“, verdeutlichte der Referent. Und tatsächlich: Die Gäste nahmen zwar Süße wahr, jedoch bedarf es zur vollständigen Erfassung nicht nur Zunge und Gaumen, sondern eben auch die Nase.

Hinzu kam, dass die Weine in schwarzen Gläsern kredenzt wurden. „Wenn Nase und Augen fehlen, wird es schwer.“ Geschmacksträger im Wein seien übrigens Alkohol, Restzucker, Fruchtsäuren und Gerbstoffe, erklärte Kugel. Am Tisch wurde nach der Testung noch in fröhlicher Runde weiter über Wein philosophiert. (zsr)

Quelle: HNA

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