Mietnomaden machen Treysaer Vermieter zu schaffen

Das war mal ein Esstisch: Leere Pizzakartons, Müllsäcke und weiterer Unrat stapeln sich in der Küche einer Mietwohnung von Karl-Heinz Wettlaufer aus Treysa. Fotos: Schmidt

Treysa. Ein beißender Gestank liegt in der Luft. In der Küche schwirren Fliegen um Müllsäcke. Hier hält man es kaum zehn Sekunden aus, ohne dass man sich übergeben müsste.

„Das ist eine Katastrophe. Ich hätte nicht gedacht, dass es so in der Wohnung aussehen könnte“, sagt Karl-Heinz Wettlaufer. Der 77-Jährige aus Treysa sieht sich als Opfer von Mietnomaden - und somit auch seiner Gutgläubigkeit beraubt. Denn er habe in seiner Rolle als Vermieter zu lange an das Gute seiner Mieter in der Treysaer Altstadt geglaubt. Jetzt seien sie gegangen, ohne dass es eine Übergabe gegeben hätte. Der Schlüssel sei lediglich in den Briefkasten geworfen worden. Und Wettlaufer traute seinen Augen beim Öffnen der Räumlichkeiten nicht. In das Zimmer, in dem die neue Heiztherme angebracht ist, stapeln sich alte Wäsche, ein Globus und weiterer Ramsch bis unter die Decke.

Brandgefährliche Situation

Eintreten konnte er erst, nachdem er die Tür ausgehängt hatte. „Das ist gefährlich, weil es Holzfachwerk ist. Wir können froh sein, dass uns die Bude nicht um die Ohren geflogen ist“, macht der Immobilienmakler mit Blick auf Brandschutzbestimmungen deutlich.

Neben der Küche und dem Zimmer schockieren etliche Säcke Unrat auf dem Dachboden. Als vor Monaten der Schornsteinfeger zur Abnahme gekommen war und ihm anschließend von den Zuständen berichtete, habe er noch zu schlichten versucht und angeboten, alles an Müll mit einem Container abholen zu lassen.

Das wäre ihn wesentlich günstiger gekommen. 1500 bis 2000 Euro müsse er jetzt für Kammerjäger und Entrümpelung zahlen, befürchtet der Vermieter. Hinzu kämen fast 3000 Euro Mietschulden. Als Hohn versteht er es, dass im Schlafzimmer gut zehn Euro an Pfandflaschen das unaufgeräumte Bild abrunden. 300 Euro hatte die Kaltmiete für das 70 Quadratmeter große Objekt monatlich betragen.

Eigenen Rat nicht befolgt

„Ich habe selbst Schuld, weil ich meine eigenen Ratschläge missachtet habe“, hadert der 77-Jährige. Denn er ist seit vier Jahrzehnten der Vorsitzende von Haus & Grund, der Interessengemeinschaft für Grundeigentümer für Alsfeld, Neukirchen, Oberaula, Schwalmstadt und Umgebung mit 300 Mitgliedern. Und denen rät er sonst gebetsmühlenartig: „Schaut euch die Menschen genau an, die mieten wollen. Lasst euch Nachweise geben und achtet möglichst auf feste Arbeitsverträge.“ Gut sei auch, die aktuelle Wohnung bei einem potenziellen Mieter zu begutachten. Karl-Heinz Wettlaufer bereut nun, dass er monatelang ausschließlich angemahnt statt umgehend fristlos gekündigt hatte.

Quelle: HNA

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