Milchbauern im Schwalm-Eder-Kreis in Existenz bedroht

Schwalm-Eder. Durch die niedrigen Milchpreise sind auch Betriebe im Schwalm-Eder-Kreis in der Existenz gefährdet.

Nach Mitteilung von Stefan Strube vom Regionalbauernverband Kurhessen sind seit Jahresbeginn hessenweit durchschnittlich 400 Milchkühe pro Monat verkauft und geschlachtet worden - darunter auch etliche aus unserem Landkreis.

„Die Lage ist dramatisch“, teilt Strube gegenüber der HNA mit, „und sie wird schlimmer, je länger die Krise anhält.“ Er geht davon aus, dass dann auch milcherzeugende Betriebe aus dem Schwalm-Eder-Kreis nicht überleben werden. Beispielsweise könnte es Betriebe treffen, die in den vergangenen Jahren investiert und dabei auf einen guten Milchpreis spekuliert hätten.

„Wir stehen am Abgrund“, sagt Ralf Krug, Milchbauer aus Beuern. Es sei derzeit nicht möglich, betriebswirtschaftlich zu überleben. Sein Betrieb mit 120 Tieren - davon 65 Milchkühe - mache derzeit monatlich ein Minus von mindestens 4000 Euro. Für jeden Liter Milch zahle er zehn Cent drauf. Er überlege, seinen Betrieb aufzugeben, aber nicht einmal das sei möglich. Er könne seine Tiere nicht verkaufen. Es gebe keinen Markt. Aber eine milchgebende Kuh müsse täglich gemolken werden, also wohin mit den Tieren?

Um gut wirtschaften zu können, benötigen die Milchbauern laut Regionalbauernverband einen Preis von mindestens 35 Cent pro Liter konventioneller Milch. Nach Mitteilung des Regionalbauernverbandes zahlen die Molkereien den Betrieben im Schwalm-Eder-Kreis aktuell weniger als 20 Cent.

Krug gibt dem Bauernverband eine Mitschuld. Verband und Politik sperrten sich einer Regulierung der Mengen. Diese sei aber nötig. Der Bauernverband sei näher an der Industrie als an den Landwirten.

Zum Hintergrund

Das Verhalten von Politik und Handel forciert den Strukturwandel in der Landwirtschaft. So ist die hessische Milchwirtschaft laut Kreisbauernverband seit Jahren rückläufig. Die Zahl der hessischen Milcherzeuger sank dabei von 5024 im Jahr 2005 auf 3500 im Jahr 2013. Im Schwalm-Eder Kreis zeigen die Zahlen des Statistischen Landesamtes eine ähnliche Entwicklung. Existierten 2003 noch etwa 500 Betriebe von der Milchgewinnung, so sind heute nur noch ca. 350 milchviehhaltende Betriebe und damit gut ein Drittel weniger als vor zehn Jahren im Kreis zu finden. Die Anzahl der Milchkühe reduzierte sich um ca. zehn Prozent auf derzeit 12 125 Kühe im Landreis.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Mehr zum Thema

Kommentare