Milder Winter

Getreide ist vier Wochen voraus - Bauern befürchten späte Fröste

Wolfhager Land. Der müde Winter beschäftigt die Landwirte: Früher als in den Vorjahren starten sie durch. Die Vegetation, die in diesem Jahr von starken Frösten und Schneelagen verschont blieb, ist viel weiter als üblich.

Im Wolfhager Land, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Kassel, „sind wir im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr vier Wochen voraus.“ 2013 war es umgekehrt, da war man witterungsbedingt drei Wochen in Verzug.

Den Ausfall des Winters hält Schulte-Ebbert für unproblematisch. „Schlecht wäre, wenn jetzt noch ein Kahlfrost käme“, erklärt der Geschäftsführer: „Knackiger Frost ohne Schnee würde richtig weh tun, weil die Pflanzen bereits im Wachstum sind.“ Dann wäre mit erheblichen Ausfällen beim Wintergetreide zu rechnen.

Verluste bringt aber auch die milde Witterung. Ernst Döhne, Ackerbauer aus Istha, spricht von einem Totalschaden beim Roggen auf einer Fläche von zwei bis drei Hektar. Ein Schädling, der Getreidelaufkäfer, den er bereits im Herbst gesichtet hatte, konnte sich wegen der ausgebliebenen Kälte stark vermehren. „Da wäre der Winter hilfreich gewesen“, sagt der 57-Jährige.

Ein richtiger Winter sei für den Boden gut, sagt Döhne. In diesem Jahr habe es die so genannte Frostgare nicht gegeben. Der Frost sprengt die Scholle, der Boden wird porös. Fällt die Frostgare aus, erwärmen sich die Böden schlechter und trocknen auch schlechter ab. Außerdem sei dann weniger Sauerstoff in der Erde und die Nährstoffdynamik eine andere. Die Folge: Man müsse mit höheren Dosen Künstdünger nachhelfen.

Für eine Ernteprognose sei es jetzt noch zu früh, sagt Döhne: „Die entscheidenden Tage kommen noch.“ Das sieht auch Schulte-Ebbert so: „Wie die Erträge werden, weiß man erst zwei Wochen vor der Ernte.“ Und selbst dann könne ein einziger Hagelschlag noch alles verderben.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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