Zwei langzeitarbeitslose Frauen berichten davon, wie sie wieder einen Job fanden

Mit Mini-Job zur festen Stelle

Arbeit ist für sie wie Urlaub: Maddalena Hagemeister war lange arbeitslos. Foto: Holscher

Schwalm-Eder. Sie haben unterschiedliche Lebensläufe und teilen doch eine Gemeinsamkeit: Martina Kohlmann und Maddalena Hagemeister fielen in der Job-Center-Statistik unter die Rubrik der Langzeitarbeitslosen. Nach längerer Zeit ohne eine feste Arbeitsstelle fanden sie wieder eine Aufgabe. Damit liegen sie im Trend, denn laut Jobcenter Schwalm-Eder hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen und Hartz IV-Empfänger seit 2005 um 47 Prozent verringert.

Maddalena Hagemeister hatte schon viele Jobs : Nach der mittleren Reife 1982 in Gütersloh absolvierte sie eine Schneider-Lehre in der Nähe von Neapel. „Ich hab dann keine Arbeit in dem Bereich gefunden, also bin ich nach Spangenberg zu Bell-Hermetic gegangen“, sagt Hagemeister. Dort arbeitete sie als Monteurin . 1989 kam ihre erste Tochter zur Welt. Es folgte eine Umschulung, sie heiratete und brachte zwei weitere Töchter zur Welt, mit denen sie heute in Frielendorf lebt.

„Ich bin aus Scham vier Monate nicht aufs Amt gegangen.“

Maddalena Hagemeister

Danach arbeitete sie in 400-Euro-Jobs und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser: Sie arbeitete in einem Imbiss, danach als Ein-Euro-Jobberin in einem Altenheim. Gestört haben sie die Ein-Euro-Jobs nie: „Hartz IV ist doch schon mein Gehalt und der eine Euro pro Stunde ist quasi mein Zusatz. Das sehen viele Menschen falsch.“ Ihren Tiefpunkt hatte die 45-Jährige im Jahr 2000. „Nach der Trennung von meinem Mann ging mir das Geld aus. Ich bin aus Scham vier Monate nicht aufs Amt gegangen.“

Martina Kohlmanns Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit verlief anders: Sie machte 1982 eine Ausbildung zur Schuhleder-Waren-Stepperin in Ziegenhain. Danach rutschte sie in die EDV-Abteilung der Firma, bis 1990 ihr erster Sohn geboren wurde. Seitdem war sie Hausfrau. 2008 trennte sie sich von ihrem Mann. Ab da an kümmerte sie sich allein um die Kinder, meldete sich arbeitslos und zog nach Willingshausen.

„Wo soll man sich bewerben, wenn man 20 Jahre raus aus dem Arbeitsleben ist“, sagt die 46-Jährige. Das erste Jahr der Arbeitssuche war frustrierend. „Irgendwann hatte ich bei allen Läden im Umkreis angefragt – ohne Erfolg.“ Im Oktober 2010 fand sie eine 400-Euro Stelle im Penny-Markt. Die wurde jetzt auf eine unbefristete Teilzeitstelle ausgeweitet. 600 Euro netto verdient sie nun mit dem sozialversicherungspflichtigen Job, der sie aus der Statistik der Langzeitarbeitslosen herausfallen lässt.

Auch Maddalena Hagemeister hatte Erfolg: Seit Juni 2011 arbeitet sie 30 Stunden pro Woche in einem Internethandel. Doch immer noch reicht das Gehalt nicht. Deshalb wird es weiter mit Geld vom Staat aufgestockt.

Sie bezeichnet sich selber als Sturkopf, der sich seine Arbeit immer selbst gesucht hat. „Ohne Arbeit kann ich nicht leben, das ist wie Urlaub für mich.“ Ihr Wunsch ist, dass ihre Stelle bald auf 40 Stunden aufgestockt wird. Dann wäre sie nicht mehr auf Hartz IV angewiesen. „Ich fühle mich schon gehandicapt durch die Kontrollen. Ich muss alles angeben, egal ob ich umziehen will oder in den Urlaub fahre.“

Von Max Holscher

Quelle: HNA

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