Silva flüchtete aus Syrien

„Mir wurde sehr geholfen“: Ein Flüchtling berichtet

Jetzt in Melsungen, davor war Silva auch bei der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen untergebracht: Unser Bild zeigt einen anderen Flüchtling, der in in Gießen auf seine Weiterfahrt in eine andere Flüchtlingsunterkunft wartet. Foto: dpa

Melsungen. Seit einigen Tagen leben in der Melsunger Innenstadt fünf Flüchtlinge in einer Wohnung. Sie besuchen oft Silva (Name von der Redaktion geändert), der ebenfalls nach Deutschland flüchtete. Er wohnt im selben Haus eine Etage tiefer.

Im Gegensatz zu ihnen hat der Syrer aber bereits eine Aufenthaltserlaubnis. Er bekommt Unterstützung vom Jobcenter und will möglichst bald einen Job finden.

Silva ist ein großer, kräftiger Mann mit kleinen, dunklen Augen. An seinem Hals ist eine Narbe zu sehen. Ein Streifschuss aus Syrien, wie der 32-Jährige auf Englisch sagt. „Ich will kein Geld von Deutschland“, sagt er. „Ich will einen Job“. Er holt einige Dokumente hervor. Silva hat mehrere akademische Abschlüsse, arbeitete als Kapitän auf einem Cargo-Schiff von 200-Metern Länge, wie er sagt. Er habe dabei sehr gut verdient, habe ein großes Haus besessen. „Jetzt ist alles weg. Ich musste alles in Syrien lassen.“ Die Umstellung auf ein Leben mit geringeren Mitteln falle da schwer. „Ich musste den Schalter im Kopf erstmal umlegen.“

Konnte noch legal ausreisen 

Dabei hatte er noch Glück. 2012 konnte er das Land legal verlassen. Mit dem Flugzeug sei er in die Ukraine geflüchtet. Seine Eltern und seine Geschwister lebten heute noch in Syrien, ihnen sei die Ausreise nicht erlaubt.

In Syrien sei er wegen des Bürgerkrieges, der Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und verschiedener Oppositionsgruppen, nicht mehr sicher gewesen. Er zeigt auf seine Narbe, die etwa über fünf Zentimeter seitlich am Hals verläuft.

Nachdem sein Visum in der Ukraine ausgelaufen war, wollte er nach Schweden reisen. Doch Polizisten griffen ihn bei der Reise durch Deutschland auf. Über Umwege wie der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Gießen gelangte er schließlich nach Melsungen. Er erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung, mietete sich eine Wohnung in der Stadt, wo er seit einigen Tagen lebt. Gleich über ihm die anderen Flüchtlinge, denen noch kein Aufenthalt gewährt wurde. Sie seien eher zurückhaltend und schüchtern, sagt Silva. „Wir teilen alle ein ähnliches Schicksal“, sagt er. Einer der Flüchtlinge habe bei der Flucht sogar einen Arm verloren.

Silva fühlt sich inzwischen wohl in Deutschland. „Mir wurde hier sehr geholfen in dieser schweren Zeit“, sagt er. Dafür sei er den Deutschen sehr dankbar.

Sprachkurs wäre gut 

In den kommenden Wochen möchte er einen Sprachkurs besuchen. Vor dem hat er keine Bauchschmerzen. Er spreche mehrere Sprachen: Arabisch, Englisch, Russisch, Ukrainisch. „Wenn ich Deutsch lernen will, dann schaffe ich das auch.“

Von Max Holscher

Quelle: HNA

Kommentare