Missbrauchsprozess: Vater wurde freigesprochen

Kassel/Schwalm-Eder. Mit einem Freispruch endete am Dienstag der Prozess gegen einen 54-Jährigen aus dem Landkreis, dem vorgeworfen worden war, seine Tochter mehrfach sexuell missbraucht zu haben.

Die Strafkammer wollte nicht ausschließen, dass es zu solchen Übergriffen gekommen sein könnte, doch die Aussagen der heute 19-Jährigen hätten nicht den hohen Ansprüchen genügt, die gestellt werden müssten, wenn Aussage gegen Aussage steht, sagte Richter Volker Mütze.

Der 54-Jährige hatte vehement bestritten, dass er seiner Tochter angetan haben soll, was in der Anklage stand. Mindestens acht Mal, so der Vorwurf, soll es zwischen 2001 und 2009 zum Missbrauch gekommen sein.

Seine Tochter, die als Zeugin in diesem Prozess auftrat, gab an, im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal missbraucht worden zu sein und später immer wieder.

Allerdings, so stellte das Gericht am Ende fest, fehlte die nötige Konstanz in ihren Aussagen. Bei Zeitpunkt, Orten und dem Ablauf der angeblichen Taten habe die 19-Jährige im Gerichtssaal vielfach andere Aussagen als vor Prozessbeginn gemacht. Am Ende habe sich nicht feststellen lassen, wann und wo es zu Übergriffen gekommen sein soll.

Die Tochter hatte vor Gericht angegeben, ihr Vater habe sie bei diversen Gelegenheiten nicht nur berührt, sondern auch den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen. Die angeklagten acht Fälle sollten nur die gewesen sein, an die sie sich konkret erinnere.

Zudem habe er sie körperlich misshandelt, unter anderem mit einem Fleischklopfer, mit dem er ihr eine Wunde am Knie zugefügt habe. Von diesem Vorfall habe sie einer Lehrerin erzählt. Doch die konnte sich als Zeugin daran nicht erinnern.

Nur in zwei Fällen der geschilderten sexuellen Übergriffe waren die Aussagen der 19-Jährigen aus der Sicht des Gerichts „relativ konstant“. Doch „wir können uns nicht aus den vielen Fällen zwei herauspicken, wenn es in der Gesamtschau Unsicherheiten gibt“, begründete Mütze den Freispruch.

Die Aussagen der 19-Jährigen seien nicht geeignet gewesen, mit Überzeugung eine Verurteilung auszusprechen. Dann müsse die Entscheidung eben zu Gunsten des Angeklagten ausfallen. (pas)

Quelle: HNA

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