Rund um die Uhr im Dienst

Mit der Wolfhager Polizeistreife durch die Nacht

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Hat alles im Blick: Polizeihauptkommissarin Ulrike Langer ist Dienstgruppenleiterin der Polizei Wolfhagen und koordiniert alles von der Wache aus.

Wolfhagen. In vielen Berufen wird die Nacht durchgearbeitet. In einer Serie begleiten wir Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, während andere schlafen. 

Heute: Auf Streife mit der Wolfhager Polizei. 

Es ist Mitternacht, als Bettina Stippich und Norbert Scheele in den Streifenwagen steigen. In dieser Nacht schieben die Polizeioberkommissare gemeinsam Dienst, von 19 Uhr am Abend bis 7 Uhr am Morgen. Es wird eine ruhige Donnerstagnacht für die Polizisten. Allerdings: einige Ruhestörungen gibt es. Ein Anwohner ist über Lärm sogar so ärgerlich, dass er einen Besuch samt Axt beim lauten Nachbarn androht.

Das erste Ziel ist die Pommernanlage. Mehrmals in der Nacht wird sie angefahren, erklärt Bettina Stippich. Das habe zum einen mit den Flüchtlingen zu tun, die man schützen wolle, denen man aber auch signalisieren möchte, dass die Polizei da sei und hinschaue. Viele junge Männer stehen vor den Häusern, sitzen auf Treppenstufen, in der Regel mit dem Handy in der Hand.

Langsam lenkt Norbert Scheele den VW an den Häusern vorbei, schaut mit seiner Kollegin nach Auffälligkeiten. „Fahr mal zu Haus zwölf, da blitzt etwas im Fenster“, sagt Stippich zu ihrem Kollegen. Im ersten Stock blitzt in regelmäßigen Abständen ein roter Lichtschein auf. Stippich und Scheele steigen aus, gehen nach oben und werden dort von zwei jungen Männern angesprochen. „Das ist immer so“, sagt der eine und meint das blitzende Licht. Bettina Stippich schaut sich das Schloss an, findet keine Einbruchsspuren. Die beiden Polizisten rücken schließlich wieder ab. „Danke, dass Sie da waren“, sagt einer der Männer.

Anonyme Beschwerde

So höflich geht es nicht immer zu bei den Besuchen in der Pommernanlage. Zu besonderen Vorfällen mit Polizisten sei es noch nie gekommen, sagt Stippich. Doch gerade die Männer in der Pommernanlage hätten manches Mal ein Problem damit, wenn eine uniformierte Frau vor ihnen steht. „Das schmeckt manchen nicht, das merkt man“, sagt Ulrike Langer. Die Polizeihauptkommissarin ist Dienstgruppenleiterin und war selbst schon einige Male bei Einsätzen in der Unterkunft dabei. Sie trete selbstbewusst auf in solchen Situationen, sagt Bettina Stippich.

Kaum zurück im Streifenwagen, funkt Langer aus der Wache eine Ruhestörung in Niederelsungen durch. Scheele und seine Kollegin machen sich auf den Weg zum Haus des Gastes. An der Zufahrt zum Gebäude bremst Scheele den Wagen ab, ein angesäuselter Gast der Party kommt gerade des Weges. Norbert Scheele spricht ihn an, ermahnt zur Ruhe und der junge Mann mit Bierglas in der Hand ist einsichtig. Er werde dafür sorgen, dass es nicht mehr so laut ist, verspricht er.

Schlafen vorm Dienstantritt

Für die Polizisten eine harmlose Situation, sie kennen es durchaus auch anders. „Man weiß nie, wie die Leute reagieren“, sagt Bettina Stippich. Sie selbst sei vor einigen Jahren bei einem Einsatz schwer verletzt worden durch massive Gegenwehr ihres Gegenübers. „Wie oft wir tatsächlich in gefährlichen Situationen sind, das wissen wir gar nicht“, sagt die 48-Jährige.

Nächste Station in dieser Nacht ist der SVG-Hof in Breuna. Langsam fahren die Polizisten über den vollen Lkw-Parkplatz, schalten einen extra Scheinwerfer an, um zu sehen, ob sich jemand an den Fahrzeugen zu schaffen macht. Doch auch dort ist es ruhig, ebenso an der Tankstelle am Ortsausgang Breuna.

Um kurz nach 1 Uhr klingelt das Diensthandy von Stippich. Wieder eine Meldung wegen Ruhestörung, wieder wegen der Party in Niederelsungen. Dieses Mal sei es ein anonymer Anrufer gewesen, der gedroht habe, mit der Axt die Ruhestörer aufzusuchen. „Das nehmen wir ernst“, sagt die Oberkommissarin. „Aber dieser Mann hat schon häufiger angerufen und mit einer Axt gedroht. Damit will er bezwecken, dass wir möglichst schnell kommen.“ Das tun sie. Nun steigen sie aus, sprechen mit dem Gastgeber, der die Musik bereits ausgedreht hat und verspricht, die Gäste ins Gebäude zu schicken.

Es geht weiter nach Ehlen, wo getankt und ein Wohngebiet durchfahren wird, als das Funkgerät eine weitere Ruhestörung mitteilt, dieses Mal in Balhorn. Als die Kollegen dort ankommen, ist alles ruhig. „Seit zwei Minuten ist Ruhe“, ruft ein Mann aus einem Fenster. Dennoch fahren die Polizisten zum Haus, sprechen die Feiernden an. Auch sie geloben Besserung.

Immer im Schichtdienst

Bis 3 Uhr sind Norbert Scheele und Bettina Stippich in dieser Nacht für den Streifendienst eingeteilt. Zwischendurch kümmern sie sich um die Sachbearbeitung, schreiben Berichte. Um die Nächte durchzuhalten, schläft Scheele vor dem Dienst. „Ohne geht es nicht“, sagt der 52-Jährige. „Wenn wenig los ist, kommt irgendwann ein toter Punkt“, sagt Dienstgruppenleiterin Ulrike Langer. „Aber wenn viel los ist, ist man hellwach, konzentriert.“ Bettina Stippich ist seit 29 Jahren bei der Polizei, immer im Schichtdienst. „Im Tagdienst sehe ich mich nicht“, sagt sie.

Wenn sie morgens nach der Arbeit heim kommt, hat sie ein Ritual, wie die meisten ihrer Kollegen. Sie frühstückt, setzt sich, wenn es schön ist, mit einem Becher Kaffee auf die Terrasse und lässt den Hund in den Garten. Erst dann geht sie schlafen – wenn die meisten anderen gerade zur Arbeit fahren.

Quelle: HNA

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