Zu Gast in der Schwalm: Gießener Stadtjugendreferent sprach über Schutz vor Missbrauch

Die Mitarbeiter sensibilisieren

E. Viertel-Harbich

Schwalmstadt. Das Wohl der Kinder und der Schutz vor Missbrauch war Thema eines Fachtages der Evangelischen Jugend des Kirchenkreises Ziegenhain. Eingeladen war Edgar Viertel-Harbich, Stadtjugendreferent des Dekanats Gießen, als Referent.

Viertel-Harbich schulte 30 Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Absolventen der Jugendleiterkarte zum Thema der Kindeswohlgefährung. Ziel war es, die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der kirchlichen Jugendarbeit für Gewalt und Missbrauch an Kindern zu sensibilisieren.

Den Begriff Kindeswohl definiert der Gießener Stadtjugendreferent: „Es bedeutet, den Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen.“ Dies umfasse sowohl die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, als auch Liebe und Zuwendung sowie kognitive Anreize wie Bildung.

Im Laufe des Tages besprach Viertel-Harbich verschiedene Situationen mit den jungen Erwachsenen, wie sie Situationen einschätzen würden. So fragte er sie beispielsweise, ob es in Ordnung sei, wenn eine Mutter zu ihrem zweijährigen Kind sagt, wenn es nicht aufs Töpfchen geht, würde sie es nicht mehr Lieben. Auch in solchen Situationen üben, nach Ansicht des Referenten, Erwachsene Gewalt auf Kinder aus.

„Kindeswohl kann auf verschiedene Arten gefährdet werden“, sagte Viertel-Harbich. Das Wohl der Kinder werde durch Vernachlässigung, körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt gefährdet.

„Mein Ansatz ist, dass in jeder Gruppe Opfer von sexuelle oder häuslicher Gewalt sitzen“, betonte er. Jedes viertes bis fünfte Mädchen und jeder zehnte bis 12. Junge habe bereits sexuelle Gewalt erfahren.

Zuhören und ernst nehmen

Ziel ist es nun, dass die Leiter der Jugendgruppen veränderte Verhaltensweisen der Kinder wahrnehmen können. „Sie sollen auf ihr Bauchgefühl hören“, sagte der Referent. Wichtig sei es zum einen, den Kindern zuzuhören und ihnen zum anderen das Gefühl zu geben, ihre Probleme ernst zu nehmen. Die Jugendbetreuer wenden sich bei einem Verdacht auf Missbrauch an eine Vertrauensperson innerhalb der Kirche. Mit dieser Vertrauensperson bestehe ein Kontakt zu den Mitarbeitern Jugendamts Homberg.

„Die Kirche hat die Aufgabe, sich um das Kindeswohl zu kümmern“, sagte Viertel-Harbich. Doch betonte er auch, dass es in Kirchenkreisen Täter gegeben habe.

Ein Schritt diesem entgegenzuwirken, ist ein Verhaltenskodex, den alle ehrenamtlichen Mitarbeiter unterschreiben müssen. Darin ist beispielsweise festgelegt, dass Kinder vor Schaden zu schützen seien. Die festangestellten Mitarbeiter der kirchlichen Jugendarbeit müssen ein Führungszeugnis vorlegen.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare