Mitarbeiter unter Druck

Elternstammtisch kritisiert Hephata-Management

Schwalmstadt - Sie fühlten sich zu überdrehten Störenfrieden abgestempelt, die Angehörigen von schwerbehinderten Hephata-Bewohnern. Durch die Ergebnisse von Überprüfungen in der Einrichtung wurden ihre Klagen über kritikwürdige Lebensbedingungen in mehreren Häusern in Treysa und Borken bestätigt.

Damit hat der kleine, schlicht als „Elternstammtisch“ bezeichnete Kreis einen bitteren Sieg über die scheinbar unanfechtbare Institution Hessisches Diakonie-Zentrum errungen. „Wir wissen aber, es ist nur ein Etappenziel“, betonte Christa Hochstadt (Altenstadt) im Redaktionsgespräch mit der HNA.

Zusammen mit Silvanna Wackernagel (Oberweimar) und Bernd Huwer (Borken) erklärte sie, dass sowohl die Heimaufsicht (Versorgungsamt Kassel) als auch der Landeswohlfahrtsverband (LWV) ihre Recherchen in Hephata fortsetzen wollen.

Bislang seien erst eine Handvoll Häuser genauer geprüft worden, erstmals auch unangemeldet, dies solle fortgesetzt werden. Christa Hochstadt: „Die Behörden hatten blindes Vertrauen.“

Vormals seien Fragen und Kritik fast immer ins Leere gelaufen, da die Teamleitungen sie nicht nach oben weitergegeben hätten. Oft hätten Mitarbeiter aus Sorge um ihre Vertragsverlängerung zu Problemen geschwiegen. Das Klima zwischen Beschäftigten und Führungspersonal sei oft schlecht gewesen.

Der Elternkreis werde wachsam bleiben und wolle hilfreich begleiten, „wir klagen nicht die Mitarbeiter an, sondern das Management“, so Silvanna Wackernagel. Keinesfalls sollten Betreuer zu Bauernopfern gemacht werden, diese würden oft unter unverhältnismäßigen Druck gesetzt.

Das belegen auch vertrauliche Berichte von Mitarbeitern, die der HNA vorliegen. Betroffene berichten etwa von Maulkörben, die sie mundtot machten. Um Personalmangel, Überstunden und häufige Zeitverträge wird es nach dem Willen des Stammtisches deshalb künftig auch gehen.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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