Diagnose mit 21 Jahren

Homberger gründet Selbsthilfegruppe für junge MS-Betroffene

+
Gute Freunde: Ben Wassmann passt regelmäßig auf den Labrador-Dalmatiner-Mischling Attila auf, Vollzeit arbeiten gehen kann er nicht. 

Schwalm-Eder. Ben Wassmanns Leben nimmt gerade an Fahrt auf, als er von der Diagnose ausgebremst wird: Mit 21 erfährt der Homberger, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist.

Er gründet jetzt eine Selbsthilfegruppe für junge MS-Betroffene. Mit dem Abitur in der Tasche ist der 21-Jährige frisch an der Uni Kassel eingeschrieben. Er will Deutsch und Mathematik studieren, später einmal Lehrer werden. Doch anstatt im Hörsaal zu sitzen, liegt der junge Homberger krank im Bett. Die Diagnose: MS. Multiple Sklerose. Eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei das Nervensystem angegriffen wird. „Ich wusste nicht, was das bedeutet“, sagt der 32-Jährige rückblickend.

Wassmann schießen damals ungezählte Fragen durch den Kopf: Kann ich weiter studieren? Kann ich hinterher arbeiten? Was wird sich alles ändern? Er recherchiert im Internet, tauscht sich in Foren mit anderen Erkrankten aus. In eine Selbsthilfegruppe traute er sich zu dem Zeitpunkt nicht. Erst später schließt er sich einer Gruppe in Bad Zwesten an - und ist dort einer der Jüngsten. Daher hat er jetzt eine MS-Gruppe für Betroffene bis 40 Jahre gegründet.

Gemeinsam etwas erleben

Ausbildung, Berufsstart, Familienplanung: Diese Themen bewegen junge Menschen. Und darum soll es auch in der Gruppe gehen. „Wir sitzen aber nicht im Stuhlkreis“, sagt Wassmann und lacht. Stattdessen geht es raus: Zum Bobfahren an den Silbersee oder zum Frühstücken nach Kassel. Die mittlerweile sieben Teilnehmer wollen als Gruppe etwas erleben und zusammenwachsen. „Wir sind keine Mitleidsgruppe“, schränkt Wassmann ein. Die gemeinsamen Erlebnisse sollen die jungen Patienten stärken und nicht runterziehen. Multiple Sklerose ist eine tückische Krankheit, erklärt der Homberger. Man sieht sie vielen Menschen nicht an. „Es gibt diese versteckten Symptome wie Konzentrationsstörungen und Erschöpfung“, sagt Wassmann. Oft könnten Freunde nicht verstehen, warum er mal besser und mal schlechter drauf sei. Bei der MS-Gruppe sei das anders. „Da versteht der eine den anderen.“

Studium abgebrochen

Ben Wassmann ging es nach der Diagnose „richtig schlecht. Ich musste das erst alles verarbeiten“, sagt er. Sein Studium muss er dennoch abbrechen. Der Homberger würde gerne noch einmal durchstarten. Am liebsten mit einer Ausbildung in der Verwaltung. „Doch das ist schwierig“, sagt Wassmann, der nicht Vollzeit arbeiten kann. „Es gibt eben bessere und schlechtere Tage. Bei dieser Erkrankung gilt das besonders“, sagt Wassmann und hofft dabei vor allem auf eines: Verständnis.

Kontakt: MS-Gruppe Schwalm-Eder-Kreis, Tel. 0177/3205876. Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Samstag im Monat. Jedes Mal an einem anderen Ort. Kontakt halten die Mitglieder über Whats App. Wer will, kann anonym bleiben. Das nächste Treffen findet am kommenden Samstag, 11. Juni, statt.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare