Alternative nutzt Feldweg bis Altenburger Straße und zerschneidet keine Felder

300 Mitstreiter für andere Trasse

Unterschriften für andere Trasse: An Bürgermeister Volker Steinmetz (Zweiter von links) übergaben (von links) Wolfram Kuske, Friedwart Vogel, Karl Gipper, Ludwig Fenge und seine Tochter Frauke einen Packen Listen. Foto:  Müller-Neumann

Felsberg. Mit 300 Felsbergern, die ihre Unterschrift auf Listen gesetzt haben, ist sich Karl Gipper einig: Sie sind nicht gegen eine Ortsumgehung, wohl aber gegen die vom Straßenbauamt vorgeschlagene Trasse und den vom Parlament einstimmig im Februar 2006 beschlossenen Bebauungsplan.

Als Alternative schlägt Gippper vor: Die Umgehung führt vorbei an seinem früheren Bauernhof im Altenburger Feld und mündet direkt auf die Altenburger Straße (siehe Grafik). Nun haben er und Landwirt Ludwig Fenge die Unterschriftenlisten an Bürgermeister Volker Steinmetz übergeben.

Großer Unmut

Bei einer Bürgerversammlung im August 2007 hatten Planer und Stadt die favorisierte Trasse vorgestellt. Schon damals regte sich großer Unmut, auch darüber, dass es offensichtlich keine Möglichkeit gab, dass die Straßenführung noch einmal überdacht werden könnte. Das ärgert Gipper und viel andere noch heute.

Zwar bewirtschaftet der 85-Jährige seinen Hof nicht mehr, ist auch in die Ortsmitte gezogen, doch für sein Land und das seiner Berufskollegen kämpft er nach wie vor. „Werden die Felder von der Straße, wie geplant, durchschnitten, ist das eine Wertminderung“, sagt Karl Gipper. Aber wäre er bereit, Land abzugeben, würde die Trasse über die Straße Altenburger Feld geführt, um dann auf die Altenburger Straße zu münden. Von den Fahrkilometern her wäre das kaum ein Unterschied zur Ortsumgehung, die hinter der Schule zum Steinweg abbiegt, sagt er. Und ein Flurbereinigungsverfahren wäre überflüssig.

Hochwasser

Schlimmstenfalls müsste ein Enteignungsverfahren vom Regierungpräsidium eingeleitet werden, heißt es dazu auf Anfrage der HNA beim Amt für Bodenmanagement. „Gegen eine Enteignung werde ich kämpfen“, sagt Gipper dazu. Auch würde die alternative Variante keine Dammschüttung von bis zu 1,20 Meter benötigen. Dieser Damm würde nämlich Hochwasser direkt in den Steinweg leiten. Gipper: „Der Damm liegt genau in der Abflussrinne.“

Schulweg

Dass die ASV-Trasse direkt den Ederweg tangiert, hält er für gefährlich, weil Schulkinder dann die Ortsumgehung überqueren müssten. Und für die Kleingärten müsste in diesem Bereich eine Extra-Zufahrt gebaut werden. Ist für Gipper und Fenge schon schlimm genug, dass ihre Felder von der beschlossenen Trasse betroffen sind, so hat Gipper noch einen weiteren Grund, der ihn in Rage bringt: „Das ganze Verfahren ist nicht fehlerfrei.“ So sei am 30. Dezember 2010, dem letzten Tag der Offenlegung der Trassenpläne, der Raum verschlossen gewesen und auf seinen Einspruch habe er noch immer keine Anwort. Gipper: „Ich bin bereit, vor Gericht zu ziehen.“

Neue Flächen für den Naturausgleich

Ohne die naturschutzrechtliche Aufwertung vorhandener Flächen kann die Ortsumgehung Felsberg nicht gebaut werden. Die Bemühungen, dafür Land an der Ems bei Böddiger zu kaufen, haben sich bekanntlich zerschlagen. Nun hat die Untere Wasserbehörde zwei städtische Grundstücke an der Eder vorgeschlagen. Dafür muss aber ein Bebauungsplan erstellt werden.

Damit geht eine weitere zeitliche Verzögerung einher, denn der Entwurf des Bebauungsplans muss wieder öffentlich ausgelegt werden. Am 10. November soll das Parlament den Plan beschließen.

Über den Sachstand zur Ortsumgehung hatte die SPD für die vorige Stadtverordnetensitzung Auskunft von Bürgermeister Volker Steinmetz verlangt. Dieser sagte unter anderem, dass die Flächen an den Schlämmteichen bei Lohre und in der Nähe der Felsberger Kläranlage vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) sowie von den Wasser- und Naturschutzbehörden für akzeptabel befunden worden seien. Beide Flächen seien geeignet, den ökologischen Gewässerzustand zu verbessern.

Als weiteren Schritt habe das (ASV) den Landschaftspflegerischen Begleitplan überarbeitet. Darin enthalten sind laut Steinmetz Anpflanzungen im Bereich der Trasse.

„Erst wenn dieses Verfahren abgeschlossen ist, kann mit der Ortsumgehung weitergemacht werden“, erklärte Steinmetz. Auch dann könne erst das Flurbereinigungsverfahren eingeleitet werden. Das wiederum ist nötig, weil die geplante Trasse über landwirtschaftlich genutzte Flächen führt. (bmn)

Quelle: HNA

Kommentare