Clemens Lohmann nahm die Teilnehmer der HNA-Stadtführung mit auf eine Zeitreise durch Fritzlar

Das Mittelalter zum Greifen nah

Der leichte Regen war schnell vergessen: Die Teilnehmer der mittelalterlichen Stadtführung mit Clemens Lohmann und der HNA haben viel erfahren und hatten einiges zu lachen. Foto: Zerhau

Fritzlar. Das Bild, das wir vom Mittelalter haben, ist meist dunkel, unwirtlich und von Sagen umwoben. Ob das stimmt? Dieser Frage gingen der Fritzlarer Archivar Clemens Lohman und die Teilnehmer der HNA-Stadtführung am Dienstag auf den Grund. Schnell wurde klar, dass das Mittelalter in der Dom- und Kaiserstadt zum Greifen nah ist.

Henkershaus und Frauenturm waren nur zwei Stationen der Tour, bei der eine Kräuterfrau über die Hexenverfolgung sprach und bei der es am Hochzeitshaus Hirsebrei zu essen gab. „Damit machen wir den Unterschied zwischen dem üppigen Essen und Gelagen auf der einen und dem alltäglichen Einerlei auf der anderen Seite deutlich“, sagt Lohmann. Weiter ging die Tour mit Bollerwagen in die Rosen- und Grebengasse. „Das war im Mittelalter das Prostituierten-Viertel von Fritzlar.“ Wer bei Rosengasse an prächtig blühende Pflanzen dachte, der wurde schnell eines Bessern belehrt. „Es gab hier Badstuben und gleich auf der anderen Straßenseite Bordelle“, erklärte Lohmann. Der Name Rosengasse stamme aus dieser Zeit, denn Rosenwasser war das teuerste Parfüm. Weiter ging es zum Marktplatz: „Hier wurde öffentlich Gericht gehalten“, so Lohmann. Davon habe man sich eine große Abschreckungswirkung erhofft. Wie man sich fühlt, wenn man vor anderen Menschen an den Pranger gestellt wird, das erlebten einige Teilnehmer der HNA-Stadtführung hautnah – und natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn in seinem Bollerwagen hatte Lohmann unter anderem Pranger, ein Hausdrache-Schild und eine schwere eiserne Kette samt Würfel und Co. dabei. Diese bekamen drei Gäste umgehängt. Kurz darauf hielt Lohmann den Teilnehmern als Ablassprediger vor, was für ein „verhurtes Pack“ sie sind. Was einst eine ernste Angelegenheit war, sorgte bei den Teilnehmern für ausgelassene Stimmung.

Rund um die Geschichte von Kloster und Ursulinenschule ging es gleich darauf. „Von den Anfängen der Missionierung durch die Iren, bis hin zu Bonifatius.“ Klar, dass auch ein Abstecher zum ältesten Amtssitz Deutschlands – dem Fritzlarer Rathaus – nicht fehlen durfte. Im Spitzenhäuschen warfen die Gäste noch einen Blick ins Archiv und erhielten ihren ganz persönlichen Ablassbrief.

Sehr zufrieden waren im Anschluss nicht nur die Teilnehmer, sondern auch Clemens Lohmann und sein Team: „Es war eine tolle und harmonische Gruppe.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Kommentare