Mittelständler finden Nachwuchs nur schwer

+
Gesprächsrunde bei der HNA Schwalmstadt: Von links Anne Quehl (Redaktion), Peter Claus von Eon Mitte, Petra Petersen Ross von Konvekta, Christina Nass von Horn und Bauer sowie Sylke Grede (Redaktion).

Schwalmstadt - Der Kampf um Auszubildende spitzt sich zu: Geburtenschwache Jahrgänge, offensiv werbende Großbetriebe - für mittelständische Unternehmen werden gute Bewerber für Ausbildungsstellen rar.

Im HNA-Redaktionsgespräch sprachen Petra Petersen Ross (Konvekta), Christina Nass (Horn und Bauer) und Peter Claus (Eon) über die Problematik, geeignete Bewerber zu finden.

Immer weitere Wege gehen Schwälmer Mittelständler, um auf den immer zahlreicheren Job- und Berufebörsen vertreten zu sein. Aber nicht, um beispielsweise Kasseler Jugendliche in den Landkreis zu locken, sondern um sich dem eigenen Nachwuchs dort zu präsentieren - und nicht den Global Playern wie VW, B. Braun und SMA kampflos das Feld zu überlassen.

Denn die jungen Menschen, die nach der Schule ausbildungsfähig sind, werden immer stärker umworben. Sie werden, so betonten Petra Petersen Ross (Konvekta) und Christina Nass (Horn und Bauer), zur Übernahme ausgebildet, nicht etwa als billige Kräfte.

Grund dafür, so unterstrichen die Personalexpertinnen: Die Betriebe brauchen eigene Leute, die in der Region verwurzelt sind. Es sei sehr schwer, von weiter her Kräfte zu bekommen, aber eigener Nachwuchs sei in zum Teil hochsensiblen Betriebsbereichen unverzichtbar und etwa durch angelernte oder Leiharbeiter häufig nicht zu ersetzen.

Dabei ist die Suche für alle Beteiligten mühsam. Viele Jugendliche seien kaum im Bilde, welche Ausbildungen sie auch in der Schwalm erhalten können, hat etwa Christina Nass festgestellt. Der Verdienst stehe für dabei für die jungen Leute keineswegs an erster Stelle. Unbekannt seien ihnen aber häufig die Anforderungen, betonten alle drei Firmenvertreter. Manchmal springen bis zu 90 Prozent der Interesenten nach Eignungstests wieder ab.

Für die Betriebe bedeutet das, dass sie die jungen Menschen genau betrachten müssen - und keineswegs nur auf die Noten schauen. Anders als in der Vergangenheit muss ein Zeugnis nicht unbedingt top sein. Wo einst Abitur erwartet wurde, kommen heute Jugendliche mit gutem Realschulabschluss zum Zug. „Durchschnittliche Realschulabsolventen sind nicht die schlechteren Azubis“, hat etwa Christina Nass beobachtet. Mitunter gebe es gar keine Entsprechung zwischen dem Schul- und dem Ausbildungserfolg.

Und es fallen auch Hauptschulabsolventen etwa bei Eon Mitte nicht durch den Rost. Das Unternehmen betreibt drei Programme für Hauptschüler beziehungsweise zum Einstieg in die Arbeitswelt. Peter Claus: „Das funktioniert gut. Hauptschüler können letztlich unter den Besten sein.“ Wer sie benötigt, kann also immer mehr Zwischenschritte nehmen, um in einem Unternehmen Fuß zu fassen. Mehr lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe

Von Sylke Grede und Anne Quehl

Quelle: HNA

Kommentare