14 Hephata-Bewohner ziehen im Juli von Treysa nach Schrecksbach um

Mitten im echten Leben

Einzug steht bevor: Im Juli sollen 14 Bewohner vom Treysaer Gelände des Diakoniezentrums Hephata in den Neubau eines Wohnhauses an der Kasseler Straße in Schrecksbach umziehen. Foto: Köcher

Schrecksbach. „Wir freuen uns und sind positiv gestimmt“, sagt Thilo Bätz vom Hephata-Geschäftsbereich Behindertenhilfe. Dem Umzug von 14 Menschen vom Gelände des Treysaer Diakoniezentrums in einen Neubau in die Kasseler Straße im Schrecksbacher Zentrum sieht der Bereichsleiter optimistisch entgegen. Unter dem Stichwort Dezentralsierung sollen im Juli 14 junge und alte Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen in das zweigeschossige Wohnhaus einziehen.

Denn „die Sonderwelt des Hephata-Geländes“, wie es Wilfried Hoos, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter der Hephata-Behindertenhilfe nannte, soll abgeschafft werden. Will heißen: Von den 500 Bewohnern am Stammsitz in Treysa sollen in den nächsten zehn Jahren 300 neue Wohnungen außerhalb beziehen.

Dabei ist Schrecksbach nicht das erste Projekt; bereits in Rommershausen etwa und Jesberg gibt es Wohngruppen, sagt Bätz. Aber der Neubau in Schrecksbach illustriert anschaulich die neue Philosophie: Die 14 erwachsenen Menschen sollen nicht isoliert, sondern mitten in der Gesellschaft, mitten im Dorf leben – mit barrierefreier Teilhabe am Leben wie alle Schrecksbacher auch. „Das müssen die anderen auch erst lernen“, sagt Bätz, denn während Menschen mit Behinderungen in Treysa seit langem zum gewohnten Stadtbild gehören, sei das in Schrecksbach neu. Der Bereichsleiter ist sich sicher, dass die neuen Bewohner „mittendrin leben, und nicht separat“. Dazu gehöre das Mitmachen im Vereinsleben, in der Kirchengemeinde, der Besuch der Gottesdienste. Das erfordere zum Beispiel vom Pfarrer eine noch einfachere Sprache, aber davon profitierten auch die älteren Menschen. Ebenso von Piktogrammen, bildhaften Darstellungen, die in der Gemeinde bald den Neubürgern und Älteren einfacher den Weg zu wichtigen Zielen zeigen könnten. Entsprechend könnten die neuen Hephata-Bewohner das Dorfleben bereichern. Und Thilo Bätz ist sicher: „Wir bringen etwas mit.“

In zwei Wohngemeinschaften

In dem Neubau an der Kasseler Straße werden die 14 Menschen in zwei Wohngemeinschaften mit sechs und acht Einzelzimmern leben. Mit einer Küche, in der sie selbst kochen, und einem Garten, den sie selbst gestalten. Im täglichen Leben gibt es keine Versorgung von außen mit vorgekochtem Essen und sauberer Wäsche, sondern eine Assistenz, die ein im Höchstmaß selbstbestimmtes Leben möglich macht, erklärt Bätz. Und das ohne einen Heimcharakter, auch wenn immer Betreuungspersonal da sei: „Es geht darum, so normal zu leben wie möglich.“ Die Wahl auf Schrecksbach als Wohnort sei gefallen, weil „dort auch was los ist“, sagt Bätz. Es gebe einen Arzt, Läden, Lebensmittelgeschäfte, einen Fleischer – eben eine intakte dörfliche Struktur. TERMIN/KOMMENTAR

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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