Mobilfunkanlage im Wohngebiet in Sand sorgt für Ärger

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Gemeinsam eine Lösung finden: Anwohner des Bad Emstaler Ortsteils Sand sorgen sich um ihre Gesundheit. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet und wollen einen neuen Standort für den Mobilfunkmast auf dem Sportplatz „Sander Höhe“ suchen, der in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet steht.

Bad Emstal. Im Bad Emstaler Ortsteil Sand herrscht Sorge. Die Anwohner nahe des Sportplatzes sind beunruhigt. Sie haben Angst vor erhöhter Strahlenbelastung: Der Mobilfunkmast auf der „Sander Höhe“ wurde aufgerüstet.

Kurzclip: Veronika Papenhagen-Stannick über die Forderungen der Anwohner

Seit vielen Jahren steht der Sendemast dort - etwa 100 Meter entfernt vom Wohngebiet. Er gehörte ursprünglich dem Hessischen Rundfunk. Anfang 2011 hat die Deutsche Funkturm Gesellschaft (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, den Mast gekauft und das Grundstück von der Gemeinde Bad Emstal für 15 Jahre gepachtet. „Seit 1998 nutzt die Telekom den Mast für den Mobilfunk. Mitte Juli 2011 wurde die Anlage mit zusätzlicher Mobilfunktechnik erweitert“, sagt George Mc Kinney, Pressesprecher der Deutschen Telekom und der DFMG. Das haben Anwohner beobachtet. Auch Mirjam und Marcus Freihöffer um ihre Gesundheit - und um die, ihres zweijährigen Sohnes. Der Mast strahle genau in dessen Kinderzimmer. Im vergangenen Oktober haben sie eine private Messung veranlasst. „Die Strahlenbelastung im Kinderzimmer ist extrem hoch“, sagt Mirjam Freihöffer.

Die Sander fühlen sich übergangen. Denn offiziell wurden sie erst Anfang dieses Jahres über die Umrüstung informiert. Der Bad Emstaler Bürgermeister Ralf Pfeiffer sagt im Gespräch mit der HNA: „Der Betreiber muss die Gemeinde bis spätestens 14 Tage vor Inbetriebnahme informieren. Das hat die Telekom erst Mitte Dezember getan.“ Die Aufrüstung des Funkmastes sei ein baugenehmigungsfreies Vorhaben, da der Mast bereits vorhanden war. „Die Gemeinde hat davon nichts gewusst“, erklärt Andreas Bohn, Leiter des Bad Emstaler Bauamtes. „Natürlich nehmen wir die Sorgen der Bürger ernst“, sagt Ralf Pfeiffer. Deshalb habe die Gemeinde das Amt für Immissions- und Strahlenschutz aus Kassel mit einer weiteren Strahlenmessung beauftragt. „Das Messergebnis liegt zu 99,8 Prozent unterhalb des zulässigen Grenzwertes“, erklärt der Bürgermeister.

Die Anwohner sind skeptisch. Zwar lägen die Werte noch innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte. „Doch diese berücksichtigen nur die thermischen Wirkungen in unmittelbarer Nähe des Mastes. Nicht die Wirkung geringer Strahlungsintensitäten“, erklärt Rechtsanwältin Veronika Papenhagen-Stannick, die ebenfalls in der Nähe des Mastes wohnt. Die Forschungsergebnisse über die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlen seien nicht anerkannt. Untersuchungen bestätigten aber, dass sie die Gesundheit beeinträchtigen. Die Anwohner sind sich einig: „Solche Masten gehören nicht in ein Wohngebiet.“ Sie wollen sich für einen Alternativstandort einsetzen.

Deshalb hat Veronika Papenhagen-Stannick für einige Anwohner bei der Gemeinde Einspruch gegen die Inbetriebnahme des Mastes eingelegt. Und bei der Bundesnetzagentur Widerspruch erhoben, die die Standortbescheinigung für diese Anlagen ausstellt.

Fragen sind offen

Die Sander haben unter anderem in einem Schreiben im August sowie in einem Anwohnertreffen im November bei der Gemeinde um Informationen bezüglich der Funkanlage gebeten. „Bis heute haben wir keine Antwort“, sagt Günter Heitmann aus Sand.

Einige Sander haben deshalb eine Bürgerinitiative gegründet. Sie stellen klar: „Wir wollen uns nicht als Feinde an einen Tisch setzen. Wir wollen gemeinsam mit den Verantwortlichen nach einer Lösung suchen.“ Bürgermeister Ralf Pfeiffer will die offenen Fragen dennoch klären – in einem Informationsgespräch mit Fachleuten der Deutschen Telekom und des Amtes für Immissions- und Strahlenschutz aus Kassel. „Wir haben nun die Messergebnisse und können sachlich diskutieren. Wir sind bereit, gemeinsam eine Lösung zu finden“, erklärt Pfeiffer.

Aufgrund eines Antrags von SPD-Mitgliedern und Grünen im Emstaler Gemeindevorstand zur Verlegung des Mastes, prüfe man zurzeit, welche Alternativstandorte es gibt und welche Kosten bei einer Verlegung des Mastes auf die Gemeinde zukämen.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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