Künstler Bernd Hanke recycelt auf besondere Art

Moderne Kunst aus alten Zeitungen

Künstler Bernd Hanke in seinem Atelier.

Niederelsungen. „Es ist zu schade, die Zeitung nach dem Lesen einfach wegzuwerfen.“ So oder ähnlich muss wohl Bernd Hanke gedacht haben, als er vor fast 30 Jahren damit begann, aus nicht mehr benötigten Zeitungen die ersten Pappmaché-Skulpturen zu entwerfen und damit bleibende Werte zu schaffen.

Denn der Textilkünstler macht Kunst aus dem, was andere wegwerfen. Der Träger von tagesaktuellen Nachrichten wird in seinen Händen zu einem Vermittler von Botschaften mit dauerhaftem Bestand umgewandelt – komplex und fantasievoll.

Und das, indem der 62-jährige für seine Collagen ausrangiertes Papier verarbeitet. Er nimmt Magazine und Zeitungen eben nicht nur zum Lesen in die Hand – nein, er weicht sie ein und lässt Skulpturen und Reliefs daraus entstehen. Richtige Geschichten und „Menschensträuße“ sprießen aus dem Ideenreichtum des Künstlers. Und das Repertoire Hankes ist breit gefächert: Bedeutungsvolle Figuren, in denen die großen Weltthemen verarbeitet werden, treffen auf fast prähistorisch anmutende Einzelfiguren, die Höhlenmalereien ähneln oder wiederum Modereliefs, die einfach nur schön anzuschauen sind.

Und alle erzählen eine Geschichte: Zum Beispiel die 1,48 Meter große Sprachskulptur „Dolly“, die an das gleichnamige Klon-Schaf erinnern soll. „Die akustische Collage hat einen integrierten Lautsprecher“, erklärt Hanke. „Zu hören sind das Geblöke des Tieres und der Herzschlag eines Menschen.“

So soll laut Hanke das Visuelle mit dem Gehörten übereinstimmen. Sozialkritisches in liebevoller Kunst verpackt: So könnte man seine Werke beschreiben. Herausstechend ist das Bodenrelief, das nach der Erdbebenkatastrophe in der Türkei in den 1990er-Jahren entstand. Aus einem Geröll-Haufen ragt ein Mann heraus. In seinen Armen ein kleines Kind.

„Betont wird die Dramatik von der unbehandelten Oberfläche des Materials“, schildert Hanke. „Der vorgetäuschte Steinstaub erweckt den Eindruck, dass das Beben nur wenige Minuten zurückliegt.“

Berührt man das Material, merkt man allerdings wie samtweich und leicht Hankes Arbeitsmaterial ist. „Bis es allerdings so weit getrocknet ist, dauert es mehrere Monate“, erzählt der Künstler.

In dieser Wartezeit kann er sich seinen vielen spontanen anderen Eingebungen widmen. „Viele Ideen entstehen in Träumen oder entwickeln sich während der Schaffensphase“, so Hanke.

Bilder von den Skulpturen

Pappmaché-Skulpturen von Bernd Hanke

„Und da mich die Nachbarn so lieb mit Zeitungen versorgen, geht mir nie das nötige Handwerkszeug aus.“

Von Melanie Triesch

Zur Person

Bernd Hanke wurde 1951 in Bremerhaven geboren. Der größtenteils in Frankfurt lebende Künstler ist verheiratet und restauriert gerade das gemeinsame Haus in Niederelsungen, in dem er vor kurzem sein neues Atelier bezogen hat. Er lebt hauptberuflich von seiner Kunst. Sein künstlerischer Werdegang begann 1988, als er nebenberuflich ein Fernstudium an der „Neuen Kunstschule Zürich“ absolvierte. Der gelernte Gastronom führte vor der Kunst ein französisches Restaurant. Weitere Informationen unter www. bhankeart.de. (mel)

Quelle: HNA

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