Moderne Schatzsucher stören Ruhe im Wald

Wolfhager Land. Sie sind mit GPS-Geräten ausgestattet und begeben sich in der Natur auf Schatzsuche. Die Schnitzeljäger von früher heißen heute Geocacher, und ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren im Wolfhager Land zugenommen.

Die Freude darüber hält sich beim Forstamt Wolfhagen jedoch in Grenzen. Denn nicht immer ist den Schätze-Versteckern klar, wohin sie die Suchenden locken.

Allein für den Habichtswald weist die Internetplattform www.geocaching.de mehrere hundert Verstecke auf. Viele der Schatzsucher begäben sich in der Dämmerung und während der Nacht auf die Pirsch, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Und das sei das Problem. Denn die Waldtiere würden in ihrer Ruhe gestört.

Rehe und Rotwild trauten sich nicht auf ihre Äsungsflächen und schälten Baumrinden ab, um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Dies ziehe einen enormen forstwirtschaftlichen Schaden nach sich. Immer wieder stöberten die Cacher nachts abseits der Wege nach Verstecken. Damit verstießen sie gegen das Hessische Jagdgesetz. Das könne mit einem Bußgeld geahndet werden.

Allerdings macht Zindel klar: „Kontrollen gibt es keine.“ Er setzt auf die Einsicht der Schatzverstecker und -sucher. Möglicherweise werde das Forstamt Kontakt zu einzelnen Geocachern aufnehmen, deren Verstecke sich in Naturschutzgebieten befinden. Über die im Internet aufgeführten Koordinaten lasse sich das rückverfolgen.

Zindel schätzt anhand der Karte, dass sich mehr als die Hälfte der Verstecke in sensiblen und damit problematischen Bereichen befinden. So hätten Geocacher im Habichtswald zwei Schätze direkt unter dem Horst eines Rotmilans deponiert. Auch mehrten sich Beschwerden von Jägern, die auf Grund zunehmender Störungen im Wald ihre Abschusszahlen nicht mehr erfüllen können.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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