Hassliebe zum Kontrabass: Klaus Wilmanns zog alle Register im Süskind-Stück

Ein Monolog der Gefühle

Niederurff. Was noch kein Komponist komponiert hat, das schrieb Patrick Süskind: ein abendfüllendes Werk für einen Kontrabass-Spieler. Und dafür braucht es auf den ersten Blick nicht viel. Einen Mann, ein schallisoliertes Zimmer, eine Flasche Wein, einen Kühlschrank, ein Tonbandgerät und einen Kontrabass.

Das ist fast schon alles, was am Freitagabend auf der Bühne der Alten Pfarrei in Niederurff zu sehen war. Nicht viel, und doch gelang es Schauspieler Klaus Wilmanns vom Theater „3Hasen oben“ aus Ottrau, daraus viel zu machen.

„Der Kontrabass ist das scheußlichste, plumpste, uneleganteste Instrument das je erfunden wurde“, sagt der Mann mit dem Kontrabass, dessen Namen man zwar nicht erfährt, den man aber doch kennenlernt. Er hasst Wagner, unterschlägt gerne mal aus Rache ein paar Noten, findet Dirigenten überflüssig und kämpft mittels Wein gegen den Feuchtigkeitsverlust und den Orchesterfrust: der Kontrabassist, drittes Pult, erklärt gerne sein Instrument, erläutert Kontrabass-Soli via Tonbandgerät und ist obendrein auch noch gebeutelt von einer nicht erwiderten Liebe zu der Sängerin Sarah.

Schuld an seiner Misere - wie sollte es anders sein - ist das schreckliche, unhandliche und unelegante Instrument, mit dem er in Hassliebe verbunden ist.

Die Zuschauer werden bei den durch Alkoholkonsum immer intimer werdenden Ausführungen des Kontrabassisten hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl und Lachen. „Nein, dass ich ihn liebe, kann ich wahrhaftig nicht sagen.“ Mehr verliebt sei er doch in Sarah. Da es jedoch kein Duett für Sopran und Kontrabass gibt, habe seine Liebe eher keine Zukunft.

Oder doch? Sollte er bei der Rheingold-Premiere aufstehen und ihren Namen herausbrüllen? In dem Moment, in dem der ganze Raum weihevolle Stille atmet. Wird er es tun?

„Der Kontrabass ist das scheußlichste, plumpste, uneleganteste Instrument das je erfunden wurde.“

Der Musiker

Der 90-minütige Monolog ist eine gewaltige Herausforderung für jeden Schauspieler. Wilmanns meistert sie scheinbar spielen. Er beweist, dass ein Ein-Mann Stück so unterhaltsam und spannend sein kann wie eine Shakespeare- Aufführung mit viel mehr Personal.

Wilmanns ist bis in die Fingerspitzen in jedem Augenblick präsent. Souverän und phantasievoll gestaltet er den Monolog wie ein Zwiegespräch mit den Zuschauern, es gelingt ihm der äußerst effektvolle Wechsel zwischen Komödie und Tragödie.

Wie er die innersten Gefühle immer weiter herausbrechen lässt, wie er Verachtung, Neid und Abschätzigkeit in seine Mimik legt, das lässt abgrundtief in das Innere seines Protagonisten blicken.

Wird er es also tun? Wird er ihren Namen rufen? Oder wird der Kontrabass ihn wieder vom Leben abhalten?

Der Zuschauer erfährt es nicht, denn der Kontrabassist muss zu seinem Auftritt, verlässt den Raum und hinterlässt seinen Kontrabass und beim Publikum das Gefühl, dass jeder seinen eigenen Kontrabass hat, der ihm im Weg steht.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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