Montagsgemähre: Der wahre Star ist d’r Parr

Ach, dä Liere: Auf der Stadthallenbühne war Pfarrer Dieter Otto in seinem Element. Alle Fotos: Zerhau

Fritzlar. Atemberaubende Artistik, ein spritziger Moderator, doch der wahre Star des Abends war in der Fritzlarer Stadthalle wieder der älteste Mitwirkende: Dieter Otto, Pfarrer in Ruhe und Mundart-Urgestein.

Es falle ihm jedes Jahr ein wenig schwerer, die Treppe zur Bühne zu erklimmen, gestand der Pfarrer, doch am Rednerpult war er in seinem Element. Die mehr als 450 Besucher beim Montagsgemähre wussten, was sie zu erwarten hatten. Der Pfarrer musste nur einen Satz beginnen, so wie „Treffen sich zwei Rentner in Wabern...“, schon lachten die ersten Zuschauer.

Das Gemähre ist zur Tradition geworden, Wie immer geht der Erlös an die Aktion Advent, mit der die HNA Bedürftige in der Region unterstützt. Dazu trug der Gärtnerhof Fritzlar bei, der die Dekoration spendierte. „Dos summe nit vergessen“, sagte Otto über den Hintergrund. Nein, vergessen wurde der gute Zweck nicht, aber im Mittelpunkt standen die Anekdoten, die Schnurren vom Mundart-Parr aus Uttershausen. Bei denen gab es einen neuen Star. Was in den vergangenen Jahren Knatzens Umma war, war nun Schusters Anna aus Metze.

Otto erzählte, wie ihm die alte Dame, die er bei Ausflugsfahrten immer halb tragen musste, weil sie nicht mehr so gut zu Fuß war, in die Seite knuffte, wenn sie etwas wollte. Da waren sie mit der Gemeinde in Willingshausen, wo Schusters Anna sich am Kuchenbuffett labte und vier Stücke plus ein Wurstbrot vertilgte – es war ja umsonst.

Vier Wochen später ging es nach Kassel. Otto hatte die Metzer schon gewarnt, sie sollten nicht zu viel erwarten in Sachen Kuchen. Und tatsächlich gab es dann auch nur ein paar Gebäckstücke. Schusters Anna fragte nach und stellt dann lautstark fest: „Herr Parr, se honn nix meh. Mä wunn heim.“

Das galt für die Zuschauer in der Stadthalle nicht. Heim wollte keiner, so lange Otto noch sprach. Und er hatte viel zu erzählen. Als Kind musste der kleine Dieter immer still sein, ließ er das Publikum wissen: „Wahrscheinlich rede ich deswegen jetzt so viel.“

Dabei hatte der Mundartpfarrer auch viele „Dengen“ dabei, die dem Publikum vertraut waren. Aber da ist es wie mit alten Bekannten, bei denen man sich freut, wenn man sie dann und wann wiedertrifft. So plauderte Otto davon, wie es damals beim Baden zuging, wie nach jedem Gast in der Wanne oben „de Brieh“ abgeschöpft wurde.

Zum viel belachten Schluss gab es die Geschichte vom betagten Herrn, der noch einmal geheiratet hatte. Irgendwann sagt ihm seine Frau, sie bekomme ein Kind, was den Alten wunderte, denn das könne eigentlich nicht sein. Er fragte einen Freund, was da wohl passiert sei.

Wenn er mit einem Spazierstock auf einen Hasen ziele und so tue, als schieße er, und der Hase falle plötzlich um, was sei dann passiert? Da sagte der Alte: „Da wird wohl ’n annerer geschossen honn.“ Eben.

• Montagsgemähre nochmal heute ab 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), Stadthalle Fritzlar, Restkarten: Abendkasse.

Quelle: HNA

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