Angeklagter im Fall Mara P.: "Kann mich nicht erinnern"

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Auf der Anklagebank: der 19-Jährige Bekannte des Opfers. 

Kassel/Melsungen. Im Prozess um den Stromtod von Mara P. aus Melsungen hat sich der Angeklagte am Freitag auf Erinnerungslücken berufen. „Ich weiß es nicht“, sagte der 19-Jährige bei seiner Aussage am zweiten Verhandlungstag vor dem Kasseler Landgericht mehrfach.

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„Ich versuche wirklich, mich zu erinnern“, beteuerte der junge Mann mit tränenerstickter Stimme, „aber ich weiß es wirklich nicht.“

Laut Anklage soll er die 19-Jährige, mit der er liiert gewesen war und bei der er gewohnt hatte, am Pfingstsamstag 2010 im Streit getötet haben – indem er ihr einen eingeschalteten Heizlüfter ins Badewasser warf. Die Leiche war erst drei Monate später entdeckt worden.

Zeichnungen aus dem Gerichtssaal

Fall Mara P.: Bilder aus dem Gerichtssaal

Aktualisiert um 17.40 Uhr

An jenem Tag, immerhin so viel weiß der Angeklagte noch, sei er zunächst allein in der Wohnung seiner Freundin gewesen, habe ferngesehen, Musik gehört und schließlich zu trinken begonnen. Erst Bier, dann eine Flasche Wodka, gemischt mit Energy-Drinks. Mara P. ging derweil ihrer Arbeit als Aushilfe in einer Melsunger Eisdiele nach. Und weil sie am Abend zwei Stunden später als üblich nach Hause gekommen sei, habe er sie zur Rede gestellt.

„Ich weiß noch, dass wir erst im Wohnzimmer Streit hatten, weil ich gefragt habe, wo sie war“, sagte der Angeklagte. „Sie hat gesagt, dass mich das nichts angehen würde.“ Was danach geschah, nachdem sich Mara P. in die Badewanne zurückgezogen hatte, wisse er jedoch nicht mehr.

 Bei der Polizei hatte er zunächst jede Beteiligung am Tod der jungen Frau bestritten, dann aber von einem heftigen Trennungsstreit im Bad berichtet, bei dem der Heizlüfter versehentlich in die Wanne gerutscht sei. Und später hatte er sogar eingeräumt, das Elektrogerät mit Absicht ins Wasser gestoßen zu haben. Doch nicht einmal an diese Aussagen wollte sich der Angeklagte vor Gericht noch erinnern.

 

Als der Angeklagte seine Aussage machte, konnte er seinem mutmaßlichen Opfer in die Augen schauen. Die Mutter von Mara P., die als Nebenklägerin am Totschlagsprozess gegen den Ex-Freund der Getöteten teilnimmt, hatte sich ein großes Foto ihrer Tochter aufs T-Shirt drucken lassen. „Mara P. für immer in unseren Herzen“, stand darauf zu lesen.

Quelle: HNA

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