Verein Solidarisch leben wurde aufgelöst: 25 Jahre Engagement für viele Hilfsprojekte

Das Motto hieß Solidarität

Aktivierung der Schulen: Der Verein Solidarisch leben organisierte zusammen mit Pfarrer Dr. Ulrich Bock vor dem 1. Advent jedes Jahr das Singen der Schulchöre auf dem Marktplatz und sammelte Spenden (Foto aus dem Jahr 1998).  alle Fotos: Archiv

Fritzlar. Die letzte Spende hat ihren Empfänger gefunden: Die 200 Euro, die noch auf dem Konto des Vereins Solidarisch leben waren, erhielt die Berberitze in Fritzlar, Tagesaufenthalt und Beratungsstelle für Wohnsitzlose.

Nach 25 Jahren, die angefüllt waren mit Aktionen, Veranstaltungen, Hilfslieferungen und Spendensammlungen aller Art, hat Vereinsvorsitzende Renate Brösamle-Hesse aus Fritzlar-Cappel das Vereinsbuch geschlossen.

„Es fehlten einfach jüngere Mitglieder, die unsere Arbeit weiterführen wollten“, berichtet sie im Gespräch. Die Konsequenz habe geheißen, nach einem Vierteljahrhundert den Verein auszulösen.

Die Vereinschefin sagt das ohne Bitterkeit oder großen Schmerz, denn sie blickt gleichzeitig auf eine große Vielfalt an Aktivitäten zurück. Seit die Idee einer größeren öffentlichen Solidarität mit Hilfesuchenden geboren wurde, unterstützten vor allem zu Beginn Frauen das Anliegen.

Nach der atomaren Katastrophe von Tschernobyl im April 1986, nach den vielen Unsicherheiten und Ängsten hatten sich etliche Frauen in der Region zusammengetan. Sie wollten etwas tun für die vom Fallout betroffenen Menschen in Weißrussland, sammelten Sachspenden.

1991 schließlich hoben sie formell den eingetragenen Verein „Solidarisch leben“ aus der Taufe. Enge Kontakte zur Stadt Gomel entstanden, zum örtlichen Krankenhaus. Regelmäßig wurden Hilfstransporte dorthin organisiert.

Später kamen weitere Projekte in der ganzen Welt hinzu. „Wo immer es nötig und möglich war, halfen wir, vom Kosovo über Vietnam bis Südafrika“, erinnert sich die Fritzlarerin.

„Solidarisch leben, das ist doch ein schönes Motto.“

Renate Brösamle-Hesse

Eine gute Geldquelle zur Finanzierung der Projekte waren immer die Basare, die jahrelang sehr gut liefen. Nach einigen Jahren kam die Initiative „Kein Raum in der Herberge“ für Obdachlose des Fritzlarer Pfarrers Dr. Ulrich Bock hinzu, wurde Teil von Solidarisch leben.

Die Fritzlarer Schulen unterstützten die Aktivitäten stark: Vor dem 1. Advent sangen Schulchöre auf dem Marktplatz, Schüler sammelten Geld; an der König-Heinrich-Schule fanden mehrere Budenzauber statt, deren Erlös zum großen Teil zur Unterstützung eines Erholungszentrums für strahlengeschädigte Kinder in Weißrussland ging.

Das Nadeshda-Zentrum sei weiterhin im Fokus der Schule, auch ohne den Verein, erläuterte Brösamle-Hesse. Im Jahr 2014, wenn das Zentrum 20 Jahre alt werde, sei ein Treffen in Weißrussland mit deutschen und weißrussischen Schülern geplant.

Etwa 45 bis 50 Mitglieder hatte der Verein zuletzt. „Solidarisch leben ist doch ein schönes Motto“, sagt die Cappelerin. Die Vereinsarbeit habe tatsächlich einiges bewirkt und sei auch anerkannt worden, zum Beispiel mit dem Dierichs-Preis der HNA im Jahr 1999.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Kommentare