Die Mühlenwerke Jäckering investieren zwei Millionen Euro in Altenburg

Die Eder ist geteilt: Um das Wehr und die Fischtreppe neu bauen zu können, wurde zwischen Turbinenhalle und Fluss ein Damm geschüttet. Der ist zugleich die Baustellen-Zufahrt. Die Turbinen liegen derzeit auf dem Trockenen.

Altenburg. Die Ruhe unterhalb der fast 1000 Jahre alten Altenburg im gleichnamigen Felsberger Stadtteil wird normalerweise nur durch das Rauschen am Ederwehr und das Summen der Turbinen unterbrochen. Zurzeit aber stehen die Wasserräder still. Die Hälfte des Wehrs ist abgerissen, das Kraftwerk steht auf dem Trockenen.

Ein hoher Damm aus Kies schirmt die Baustelle gegen das Ederwasser ab. Zwölf bis 15 Mitarbeiter der Kasseler Bauunternehmens Konrad Emmeluth schalen Wände ein, biegen Stahl, betonieren und restaurieren alte Bausubstanz.

Ökologische Verbesserung am Ederwehr – so ist das große Projekt überschrieben. Eine neue Fischtreppe entsteht neben dem Turbinenhaus, Wehr und Rechen vor den Turbinen werden erneuert. Durch eine bessere Wasserzufuhr sollen die beiden Turbinen künftig mehr Strom erzeugen. Die Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerke mit Sitz in Hamm erfüllen gesetzliche Forderungen aus dem Wasserhaushaltsgesetz, sagt Geschäftsführer Jan Zillmann. Nach seinen Angaben belaufen sich die Investitionen auf zwei Millionen Euro. Im Oktober soll alles fertig sein.

Vier Männer am Wehr: Sie stemmen gemeinsam ein großes Bauprojekt, das auch dem Umweltschutz dient: von links Geschäftsführer Jan Zillmann von den Mühlenwerken Jäckering, Elektromeister Thomas Kästner, kommissarischer technischer Betriebsleiter in Altenburg, Diplom-Ingenieur Axel Sobirey von der Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie, Umweltplanung und Bauunternehmer Kai Emmeluth.

1921 hatte der Bezirksausschuss zu Cassel dem Müller Georg Sinning eine Turbine zum Erzeugen elektrischer Energie genehmigt. In den 1930er-Jahren übernahm die Familie Jäckering die frühere Getreidemühle samt Wasserkraftwerk. Das neue Wasserhaushaltsgesetz fordert aber nun unter anderem „die Durchgängigkeit der im Edersystem vorkommenden Wasserlebewesen“. Die müsse wieder hergestellt werden. So entsteht nun eine Wassertreppe für Fische, offiziell Fischwanderhilfe genannt. Früher gab es eine alte Fischtreppe an der anderen Seite des Wehres.

Erfahrungen aus dem Betrieb des Kraftwerks hatten nach Angaben von Jan Zillmann gezeigt, dass die Anströmung der Kaplan-Turbine nicht optimal war und es Verschleißerscheinungen an Getriebe und Lager gab. Die Mühlenwerke Jäckering beauftragten die Universität Kassel zu prüfen, wie man eine bessere Zuström-Situation herstellen könne.

„Die Baustelle hat einen besonderen Reiz.

Kai Emmeluth

Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Stephan Theobald und Dr. Reinhard Hassinger modellierten die untersuchten Varianten anhand Strömungsmodelle und bauten die Anlage im kleinen Maßstab nach. Nun wird das alles baulich umgesetzt.

Da sich die Altenburger Mühle direkt an der Mündung der Schwalm in die Eder befindet, sind die künftige Stromerzeugung und der Baufortschritt auch von den Wasserständen abhängig.Und so sind sich Mühlen-Geschäftsführer Jan Zillmann und Bauunternehmer Kai Emmeluth einig: „Es darf während der Bauphase kein Hochwasser geben.“

Das Zusammenspiel von Schwalm und Eder sei eine besondere Herausforderung, sagt Emmeluth: „Die Baustelle hat einen besonderen Reiz. Wir freuen uns, dass wir diesen technisch sehr anspruchsvollen Bauauftrag ausführen können.“ 

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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