Vernichtung von Munition in Gasterfeld

Täglich in Lebensgefahr: Als 16-Jähriger suchte Eduard Kolmann nach Granaten 

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Die Sprengung der gefundenen Munition wird vorbereitet. Das Gelände gleicht einer Kraterlandschaft.

Gasterfeld. Bis heute beschäftigt die ehemalige Munitionsanstalt in Gasterfeld die Menschen im Wolfhager Land. Anlässlich der aktuellen Entmunitionierungsaktion berichten wir über die Geschichte der Muna und lassen in loser Folge Zeitzeugen zu Wort kommen.

Er schwebte jeden Tag in Lebensgefahr: Eduard Kolmann war mit 16 Jahren das jüngste Mitglied des Entmunitionierungstrupps in Gasterfeld. „Richtig Angst hatte ich nicht, in dem Alter findet man so etwas noch abenteuerlich“, erzählt der heute 87-jährige Wolfhager.

Er war kurz nach dem Krieg mit seiner Mutter nach Wolfhagen gekommen. Die Flüchtlinge aus dem Sudetenland wurden in einer Art Viehtransporter durchs Land gekarrt. „Der Eisenbahn-Waggon hatte keine Fenster, und wir waren dort mit vielen Menschen tagelang eingepfercht.“ Am Wolfhager Bahnhof lebten sie noch vier Wochen in dem Waggon und wurden vom Roten Kreuz mit Lebensmitteln versorgt. Später fanden sie Unterschlupf bei einer älteren Frau.

Lebt heute auf dem Wolfhager Teichberg: Eduard Kolmann gehörte zum Räumkommando auf der Muna. 

Kolmann suchte Arbeit. „Ich wollte nicht, dass meine Mutter so schwer in der Landwirtschaft arbeiten muss.“ In dieser Zeit beobachtete er immer wieder Lastwagen, die mit vielen Menschen an Bord Richtung Gasterfeld fuhren. Der junge Mann lief daraufhin zu Fuß nach Gasterfeld und bot seine Dienste an. Freiwillige waren dort gern gesehen. Zum Räumkommando gehörten auch ehemalige Wehrmachtssoldaten und Kriegsgefangene, die alle einem amerikanischen Offizier unterstanden.

„Wir sammelten Blindgänger und brachten sie zu einem Lkw mit Sand auf dem Ladeboden“, erinnert sich Kolmann. Eigentlich habe man sie vorsichtig stapeln sollen. „Wenn wir es eilig hatten, warfen wir die Granaten einfach auf den Wagen.“ Ein gefährlicher Leichtsinn. Bei den Entmunitionierungsarbeiten kamen bis zum Jahr 1952 24 Menschen ums Leben. Vor allem seien es die Zwangsarbeiter gewesen, die besonders gefährliche Tätigkeiten hätten ausführen müssen. Kolmann erinnert sich an ein trichterförmiges Loch im Boden, in das sie die Granaten hinein warfen. Hier sei es immer wieder zu Explosionen gekommen.

Wenn Eduard Kolmann und die anderen vom Räumkommando im Wald verdächtige, unversehrte Granaten fanden, informierten sie ein Sprengkommando, das sie entschärfte.

Etwa fünf Jahre war der Wolfhager in Gasterfeld. Später arbeitete er in Kasseler Kasernen als Schlosser und danach bis zur Rente als Busfahrer. Der rüstige Senior lebt heute im eigenen Haus auf dem Teichberg.

Quelle: HNA

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