Museumstag in Borken: Zweisprachig unter Tage

In der Kluft der Bergarbeiter: Enre Yilmaz, Muhammed Agah Pekacar, Semik und Sinan Akgül (von links) probierten am Museumstag historische Arbeitskleidung an. Fotos: Mangold

Borken. „Bring Beil, lade Berge, säge Holz“: Kurze Anweisungen aus dem Arbeitsalltag der Bergarbeiter mit Übersetzung ins Türkische sind in einer Broschüre aus den 1960er-Jahren zu finden. Sie wurde beim internationalen Museumstag im historischen Borkener Rathaus gezeigt.

Dazu gab es Bilder mit nützlichen Gegenständen wie Schraubenschlüssel, Nagel und Butterbrot und ebenfalls deutschen und türkischen Texten. Das Wörterbuch, es gab auch eine spanische Version, mit dem sich die ersten Gastarbeiter im Borkener Braunkohlebergbau zurechtfinden sollten, wurde jetzt in der Ausstellung „Borken im Wandel“ gezeigt. Sie wurde zum internationalen Museumstag im historischen Borkener Rathaus präsentiert.

Die ersten Arbeitsmigranten waren 1962 aus Spanien nach Borken gekommen, ein Jahr später kamen die ersten türkischen Gastarbeiter, berichtete Historiker Ingo Sielaff vom Museum.

Die Spanier verließen Borken später wieder, die türkischen Arbeiter blieben; um die 100 von ihnen waren bei der Preußen Elektra seinerzeit beschäftigt – das war ein Viertel der Belegschaft.

Heute leben 300 Einwohner mit türkischen Wurzeln in Borken. So wie die Bilder vom Bergbau in Borken die Zeit des Wirtschaftswunders symbolisieren, so stehen die Bilder von fallenden Schornsteinen für das Ende der Bergbau-Ära und den Strukturwandel. Heute sei das Altenheim Blumenhain der größte Arbeitgeber in Borken, erläuterte Sielaff.

Viele Erinnerungen

Die Ausstellungsstücke und Fotografien weckten bei den Besuchern viele Erinnerungen. „Das hat sich sehr verändert“, sagte Astrid Braumöller aus Borken, die ihr Haus auf einem der Bilder entdeckte. „Es hat uns sehr gefallen, zu sehen, wie unsere Landsleute gearbeitet haben“, sagte Emrullah Kara aus Melsungen.

Passend zum Themen-Schwerpunkt veranstaltete das Museum erstmals türkischsprachige Führungen durch den Besucherstollen. Bülent Alkus erläuterte die Geschichte des Borkener Bergbaus in der Sprache seiner Väter.

Er und seine Generation seien in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber für die Generation der Eltern sei der Rundgang in türkischer Sprache besonders interessant gewesen.

Unter den 33 Besuchern der ersten Führung seien auch zwei ehemalige Bergbauarbeiter gewesen, die unter Tage die Abbaumaschine Fuchs für Demonstrationszwecke in Gang setzten und aus ihrer Arbeitszeit unter Tage erzählten.

Für Kinder gab es am Museumstag ebenfalls viele Angebote.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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