Musik schafft Verbindung - Im Altenzentrum in Besse musiziert Kristina Schönewald mit betagten Menschen

Edermünde. Wenn sich ein Lächeln auf den Gesichtern der betagten Frauen und Männer zeigt, dann freut sich Kristina Schönewald. „Damit habe ich schon viel erreicht“, sagt die Musikpädagogin, die seit kurzem das Projekt „Musikgeragogik“ im Altenzentrum von Hephata in Edermünde-Besse betreut.

Eine Gruppe der Bewohner kommt einmal in der Woche zur Musikstunde zusammen. Dann singen sie gemeinsam Lieder, spielen mit Rhythmusinstrumenten, hören auch mal Klassisches wie Vivaldis Vier Jahreszeiten. Und zum Aufwärmen wird geklatscht und geboxt.

Dass es den Senioren Spaß macht, sieht man sofort. „Das Angebot kommt gut an“, sagt auch Markus Simmel, Geschäftsführer der Trägergesellschaft des Altenzentrums, Hephata Soziale Dienste.

Am wichtigsten sei es jedoch, dass man mit dem gemeinsamen Musizieren manches reaktivieren könne. „Nach der Stunde sind die Teilnehmer viel lebhafter“, hat auch Manuela Lutz, Leiterin der Sozialen Betreuung, festgestellt.

Sind viele der Senioren zunächst vorsichtig und schweigsam, gebe es hinterher viele Gespräche, Erinnerungen würden besprochen.

Es grenze manchmal an ein Wunder, was mit der musikalischen Arbeit erreicht werden könne, bestätigt auch Heimleiterin Beate Joana Frankiewicz. Manche erlebten ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe, das Vertrauen zueinander wachse.

„Es gibt eine hohe Verunsicherung gerade bei dementen Menschen“, sagt Kristina Schönewald, die zurzeit eine Weiterbildung zur Musikgeragogin macht. Deshalb seien für sie feste Strukturen wichtig, an die man sich halte.

Die Gruppe wurde bewusst gemischt zusammengestellt, auch demente Teilnehmer sind dabei. Man probiere noch aus, wie es am besten funktioniere, sagt Schönewald. Wichtig sei es für sie als kommunikativer Mensch, gut Zugang zu finden zu den Senioren.

Unterstützt wird das Musikangebot durch die Eckardt-Werner-Stiftung, die 1500 Euro zur Verfügung stellte. Eckardt Werner, ein Haldorfer Einwohner, hat 2002 die Stiftung begründet, seitdem wurden 60 000 Euro für soziale Zwecke aller Art in der Gemeinde ausgeschüttet, erläuterte Karl-Heinz Färber.

Das Altenzentrum werde sich künftig mehr zur Gemeinde hin öffnen, sagte Bürgermeister Thomas Petrich. In den Räumen sollen auch Musik-Kurse der Musikschule für Kinder und Jugendliche stattfinden.

Musikgeragogik ist eine Fachdisziplin zwischen Musikpädagogik und Geragogik (Alterspädagogik, beschäftigt sich mit den Methoden und Inhalten des Lernens bei älteren Menschen). Die Arbeit mit alten und sehr alten Menschen erfordert ein anderes didaktisch-methodisches Vorgehen als in der Musikpädagogik für junge Menschen. Dies hat Auswirkungen auf Forschung, Ausbildung und Praxis. Für Musik mit alten Menschen und das Musizieren im Alter sind die Berücksichtigung persönlicher Lebenserfahrungen und das Lernen bei geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen von besonderer Bedeutung. Wichtige Erkenntnisse stammen aus Nachbardisziplinen wie Alterspsychologie, Pflegewissenschaft, Gerontologie und Heilpädagogik. Musikgeragogen wirken in unterschiedlichen Institutionen, etwa Seniorenakademien, Altenwohn- und -pflegeheimen.

Zur Person

KRISTINA SCHÖNEWALD (44) ist ausgebildete Heilpädagogin und Gestalttherapeutin. Seit über sieben Jahren arbeitet sie in der Musikschule Schwalm-Eder Nord als Musikpädagogin. Die gebürtige Gudensbergerin ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern, sie lebt wieder mit ihrer Familie in Gudensberg. Zurzeit erwirbt sie eine Zusatzqualifikation als Musikgeragogin und will sich weiter auf dem Feld der Arbeit mit älteren Menschen engagieren.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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