Musikalisch-literarisches Gastspiel mit dem Quartett „Die Simmerings“

Literatur und Musik rund ums Thema Liebe: Doro Heimel, Eckhard Huneck, Sandra Bürger und Thomas Frankfurth (von links) waren am Freitagabend mit ihrem Programm „Alles Liebe“ in der Melsunger Brückenbuchhandlung zu Gast. Foto: Brandau

Melsungen. Eng und kuschelig ging es am Freitagabend in der Melsunger Brückenbuchhandlung zu. Etwa achtzig Menschen hatten es sich gemütlich gemacht, um das mittlerweile zehnte Programm der Simmerings zu erleben.

„Alles Liebe“ versprach Thomas Frankfurth, Gitarrist, Sänger und Texter des musikalisch-literarischen Quartetts. Zusammen mit Sandra Bürger, Doro Heimel und Eckhard Huneck präsentierte er Prosa, Gedichte und Songs rund um die Liebe.

Betrachtungen, die viele im Publikum wissend nicken ließen, führten zu unterschiedlichsten Schlüssen: Liebe ist … Unsinn, Schmerz, aussichtslos, lächerlich oder Leichtsinn.

Die Zuhörer erfuhren viel über das Verliebtsein, das Nichtvorhandensein von wirksamen Gegenmitteln und unterschiedliche Ausprägungsgrade der Liebe. Etwa, dass die „Beatricen eine ganz unmäßige Liebe verursachen“ (Antonio Skármeta, Chile) und Roxane vom Geliebten Schönheit und romantische Poesie erwartet (Edmond Rostand, 1897: Cyrano de Bergerac).

Zwischen den mitreißend vorgetragenen Auszügen aus klassischer und aktueller Literatur, setzten die vier Interpreten gelungene musikalische Akzente.

Doro Heimel (Keyboard), Eckhard Huneck (Akkordeon), Sandra Bürger (Percussion) und Thomas Frankfurth (Gitarre) trugen traurige, deftige und spaßige Lieder von verpatzten Möglichkeiten, bittersüßen Erinnerungen und emotionalen Befreiungsversuchen vor.

Multitalent Frankfurth schreibt und komponiert viele der Lieder selbst, die er mit leicht nasalem Grönemeyer-Touch vorträgt.

In der Abteilung Lyrik griffen die vier bewusst nicht auf die gängigen Klassiker zurück, sondern rezitierten Eigenes. Jedoch, was wäre ein Abend über die Liebe ohne Shakespeares Liebespaar Romeo und Julia? Die Simmerings sorgten auch hier für eine Überraschung, indem sie die Geschichte nach Radebeul verlegte, sie Karl May in den Mund legten und auf sächsisch vortrugen. Weiterhin konnte nicht geklärt werden, ob es „de Lärsche wor, die´s Doocheslicht rief“. Die ungewöhnliche Übersetzung bescherte dem Originaltext ein überzeugendes Schlusswort: „Noh!“

Nach der Pause wurde die erotische Seite der Liebe schonungslos thematisiert. Wer kompetent mitreden will, muss sich auch mit den aktuellen Stellungen auskennen. Die Stellung „kaputte Lampe“ verbindet das Schöne mit dem Nützlichen und lässt immer noch Freiräume für praktische Entdeckungen im Schlafzimmer. Die dezente Version „Tonausfall“ ist allen Paaren mit Kinderzimmer neben dem Schlafzimmer hinlänglich bekannt. Als Zugabe gab es ein Medley aus bekannten Liebesschnulzen und das sorgte dafür, dass auch das letzte Zuhörerherz den vier Literaturmusikern zu Füßen lag.

Von Karin Brandau

Weitere Termine: Freitag, 11. November, und Samstag, 12. November, 19.30 Uhr, Bücherei der Drei-Burgen-Schule Felsberg.

www.diesimmerings.de

Quelle: HNA

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