Eine Doppelstunde Musik

Musikkabarett vom Feinsten: Christoph Reuter in der Hospitalkapelle

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Überzeugte mit seinem Programm „Alle sind musikalisch, außer manche“: Der Jazzpianist Christoph Reuter.

Treysa. „Alle sind musikalisch, außer manche", hieß das Programm des Jazzpianisten Christoph Reuter am Samstagabend in der Hospitalkapelle, organisiert vom Verein „Kultur vor Ort".

Der Künstler versprach dem Publikum eine Doppelstunde Musik und begann mit einem Einstufungstest.

„Wer zwei Töne auseinander halten kann, ist musikalisch“, so Reuter, „außer Beethoven, der hörte gar nichts.“ Livia aus dem Publikum bestand die musikalische Aufgabe mühelos.

Die Frage, wie Musik die Menschen prägt, lief als roter Faden durch das Bühnenprogramm des Pianisten. Im Alter zwischen 15 und 25 Jahren werde der Soundtrack des Lebens geschrieben, sagte Reuter. Wer in diesem Alter Abba gut fand, werde auch als Senior Abba lieben, und wer auf Rock stand, werde diese Musik sein Leben lang hören.

Amüsierte Gesichter: Die Besucher hatten viel Spaß beim Musikkabarett mit Christoph Reuter in der Hospitalkapelle.

„Nicht mehr lange und die Seniorenheime werben damit, dass in ihrem Haus nur die Rolling Stones zu hören sind“, überspitzte der Pianist. „Musik ist die einzige Kunstform, die ohne Umweg über das Gehirn sofort die Emotionen der Menschen anspricht“, so Reuter. „Wenn in einem Weinladen französische Musik gespielt wird, kaufen Sie Wein aus Frankreich.“ Nur mit deutscher Musik klappe dies nicht, denn „hören Sie die, kaufen Sie Bier“, sagte der Kabarettist. Faszinierend sei unser musikalisches Gedächtnis, erklärte Reuter.

Obwohl er jeweils nur drei Töne bekannter Melodien auf dem Klavier anspielte, erriet das Publikum sofort die Lieder „Yesterday“, „Smoke on the water“ und auch „Hänschen klein“.

„Ja, Sie erkennen sogar ein Lied, in dem kein einziger Ton stimmt“, sagte der Musiker und bewies diese Tatsache mit dem „Türkischen Marsch“ von Mozart. Unsere Wahrnehmung sei sehr selektiv, denn spiele ein Kind bei einem Musikwettbewerb dieses Stück so falsch wie er, hörten Mutter und Vater trotzdem die richtigen Töne und seien stolz auf ihr begabtes Kind, erklärte Reuter.

Publikum lachte Tränen 

Das Publikum lachte Tränen über die Mischung aus musikalischen Fakten und der charmant vorgetragenen überspitzten Interpretation des Künstlers. Jeder Besucher bekam zum Abschied eine Postkarte mit einer „C-Kralle“ geschenkt. „Stecken Sie einfach drei Finger durch die Löcher und Sie treffen auf den 88 Klaviertasten immer den richtigen Ton“, verriet der Musiker, denn die erfolgreichsten Lieder seien nur mit wenigen Akkorden geschrieben.

Die Besucher bedankten sich für die Show mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus bei Christoph Reuter für die neuen musikalischen Einsichten.

Quelle: HNA

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