Als Treffpunkt in der Natur

Muslimischer Orden möchte bei Wolfhagen spirituelles Zentrum schaffen

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Hat in der Rasenmühle mit seiner Familie eine neue Heimat gefunden: Ahmadulla Khalid fand nach einer eher weltlich geprägten Jugend in Kassel mit knapp 30 Jahren zum Sufismus. „Wir wollen hier aufklären, voneinander lernen und Vorurteile abbauen“, sagt er zum Vorhaben, ein spirituelles Zentrum in der Natur zu schaffen. 

Wolfhagen. Die Jahre der Rasenmühle als Ausflugslokal und Speisegaststätte zwischen Wolfhagen und Altenhasungen an der Erpe gelegen, liegen schon weit zurück. Die neuen Bewohner haben Pläne mit dem Anwesen.

Die seien aber, so Ahmadulla Khalid, nicht so konkret, wie es ein farbiges Faltblatt darstellt, das im Internet noch einzusehen ist. Da nämlich ist unter dem Schriftzug „Rasenmühle“ eine künftige Bestimmung notiert, die sich auf das alte Fachwerkgebäude, vor allem aber auf die vor etwas mehr als zehn Jahren errichtete Scheune bezieht: „Islamisches Zentrum für Bildung, Erziehung und Erholung“ ist da zu lesen. Es folgen Skizzen von der umgebauten Scheune, deren Vorgängerin im April 2003 einem Brand zum Opfer fiel, mit Satteldach, Terrasse und Minarett. Von einer Moschee und einem Veranstaltungssaal auf 300 Quadratmetern, die sich auf zwei Etagen verteilen, ist die Rede.

Festscheune im Fokus

Im historischen Fachwerkgebäude, ist im Faltblatt zu lesen, seien Seminarraum, Schlafunterkünfte und Restaurant vorhanden

Ahmadullah Khalid lächelt und relativiert. „Unser Ziel ist es, ein spirituelles Zentrum zu schaffen in der Natur, wo sich Menschen aus allen Ländern und allen Religionen treffen können.“ Die Festscheune, in der man bereits Konzerte organisiert habe, solle zu einem Veranstaltungsort ausgebaut werden. Derzeit ist das Gebäude aber noch eher im Rohbauzustand mit Betonboden und unverputzten Wänden. Heizung, Dämmung, sanitäre Einrichtungen etc. fehlen. Und darum benötige man Geld. Das Faltblatt habe man gestaltet, um in der muslimischen Gemeinde für Spenden zu werben.

„Wir vertrauen auf Gott und sehen, wie es sich hier entwickelt.“

Tatsächlich, so der 36-Jährige, der in den 80er-Jahren mit Eltern und Geschwistern aus Afghanistan nach Kassel kam, habe man Vorstellungen, aber keine konkrete Planung. Eine Moschee und damit auch ein Minarett jedenfalls seien kein Thema. Man wohne mit zehn Personen in der Rasenmühle, „Eine Moschee wäre überdimensioniert.“

Neben Khalid, seiner Frau und den beiden Kindern leben noch die Witwe eines Freundes mit drei Kindern und die Eltern des Freundes im Fachwerkhaus.

Der 2012 verstorbene Freund habe die Rasenmühle und das knapp 1,5 Hektar große Grundstück im November 2011 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Der Freund war Sufi, und auch Khalid gehört dem muslimischen Orden an. Ihr Lehrmeister habe ihnen geraten, „aufs Land zu ziehen, einfach und naturverbunden zu leben“.

Normale Jugend in Kassel

Den Sufis gehöre er seit sechs Jahren an. Davor, erzählt Ahmadulla Khalid, habe er in Kassel eine ganz normale Jugend verbracht mit Fußball und abends weggehen, habe Abitur gemacht, sei bei der Bundeswehr in Mengerinhausen gewesen, habe eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht und sieben Jahre in einer Firma geschafft. Heute arbeitet er in einem sozialen Beruf, als persönlicher Assistent für einen Gehbehinderten.

Das Spirituelle, sagt er, „das hat sich entwickelt, wir hatten nicht gleich einen Turban und lange Bärte“. Für die Zukunft in der Rasenmühle gelte: „Wir vertrauen auf Gott und sehen, wie es sich hier entwickelt.“ 

Quelle: HNA

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