Ernst-Willi Kamp genießt die Ruhe im Naumburger Weingarten und den Blick in die Landschaft

Mußestunden an der Kapelle

Ein Macher: Ernst-Willi Kamp an der Weingartenkapelle. Er ist auf vielen Feldern ehrenamtlich aktiv, vor allen gemeinsam mit seinen Freunden im Katholischen Bürgerverein, mit denen er für die katholische Kirchengemeinde schon so manches kleinere Bauprojekt realisiert hat. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Ein Fleckchen am Wasser, dort wo es sich gut angeln lässt, da hatte man den Lieblingsplatz von Ernst-Willi Kamp vermutet. Seit 43 Jahren, seit Naumburg zu seiner Heimat wurde, gehört der gebürtige Mönchengladbacher dem Naumburger Angelverein an. Kamps Lieblingsplatz liegt nicht am Wasser, sondern auf ein Anhöhe vor den Toren der Stadt Naumburg: Es ist der Weingarten mit seiner Kapelle.

So richtig ans Herz gewachsen ist ihm dieser Ort in den 70er Jahren, als er bei der Sanierung des Kapellendaches mithalf. „Ich saß damals oben im Glockenturm, als die Turmspitze erneuert wurde“, erinnert sich der 67-Jährige. Der Rundumblick hat ihn fasziniert.

Auch nach der Dachsanierung zog es den Werkzeugmacher-Meister immer wieder zur Kapelle, vor allem, wenn es im Beruf stressig war, wenn er als Betriebsleiter in wirtschaftlich schwierigen Phasen unangenehme personelle Entscheidungen zu treffen hatte.

„Immer wenn einen der Alltag überfährt, wenn ich die Schnauze voll hab, dann mache ich mich hier hoch“, erzählt Ernst-Willi Kamp. Hier findet er Ruhe, vor allem, „wenn die Sonne über die Berge kommt“. Der weite Blick über Wälder und Felder, die Stadt mit ihren Gegensätzen: rechts die historische Altstadt, links das Naumburger Industriegebiet.

„Und wenn du noch mehr Ruhe willst“, sagt der dreifache Familienvater und zweifache Großvater, bei dem sich die niederrheinische und nordhessische Mundart prima ergänzen, „dann gehste nach hinten zum Kreuzweg, zu den Fußfällen, setzt dich unter die Bäume und guckst zur Weidelsburg.“

Kamp ist ein geselliger Mensch, der sich in seinen Vereinen stark engagiert und dessen Kenntnisse gerade im handwerklichen Bereich hoch geschätzt werden. Aber er sagt auch: „Ich bin gerne mal eine Stunde allein. Hier oben ist selten jemand. Das ist ideal.“

In Zukunft wird er wohl mehr Zeit haben, um vor der Weingartenkapelle eine Mußestunde zu verbringen. „Ich kann in dem Tempo nicht weitermachen, bis ich in die Kiste springe“, sagt er lachend. Aus gesundheitlichen Gründen will Ernst-Willi Kamp einen Gang zurückschalten – „in allen Bereichen“. Mehr Zeit wünscht er sich, „um endlich das Rentnerleben zu genießen“.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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