Von Mut, Kraft und Liebe

Er war ein großer Magnet: Der Psychologe Wolfgang Jaede aus Freiburg (Mitte) hielt auf Einladung der Beratungsstelle Schwalm-Eder einen Vortrag darüber, was Eltern und Kinder gut tut. Links Vizelandrat Winfried Becker, daneben Psychologin Dorothee Götz-Töpfer.

Schwalm-Eder. Vor solchen Massen hat Wolfgang Jaede noch nicht gestanden. Der Psychologe aus Freiburg, der am Montagabend in der Homberger Stadthalle über Kinder, Kraft und Krisen sprach, war angesichts der vielen hundert Menschen beeindruckt.

Dabei hatte die Beratungsstelle Schwalm-Eder, die den Leiter der psychologischen Beratungsstelle Freiburg eingeladen hatte, bei 550 Anmeldungen einen Besucherstopp erlassen. Dennoch drängten sich Eltern, Lehrer, Erzieher wie die Sardinen, lehnten an Wänden, standen in Türen. Das Interesse an Jaedes Thesen, wie man das Selbstvertrauen und die seelische Belastbarkeit von Kindern stärken kann, war ungeheuer groß.

Sehnsucht ist der Motor

Für Dorothee Götz-Töpfer von der Beratungsstelle des Landkreises war dieser Andrang erstaunlich, aber durchaus nachvollziehbar: In vielen Eltern schwinge große Sehnsucht nach Bindung, Sicherheit und Selbstvertrauen mit.

All das aber, sagte Wolfgang Jaede, könne sich nur entwickeln, wenn Kinder erlebten, dass da jemand ist, der zu ihnen hält, ganz egal, was auch passiert. „Wenn man die Grunderfahrung nicht gemacht hat, bleibt eine ewige Unsicherheit“, sagte er.

Dabei sorgten ohnehin veränderte Gesellschaftsstrukturen für den Verlust wichtiger Schutzfunktionen: Viele Familien leben unter erschwerten Bedingungen. Nicht wenige sind von Arbeitslosigkeit und Geldsorgen bedroht, Scheidungen werden häufiger, Großfamilien seltener, immer mehr Mütter ziehen Kinder alleine groß.

All das verunsichere die Eltern und sorge dafür, dass Kinder immer mehr auf sich allein gestellt seien anstatt in der Geborgenheit einer Großfamilie zu schwimmen. Gerade deshalb sei es wichtig, Kinder gegen Krisensituationen zu wappnen, ihnen Mut, Zuversicht und Lebensfreude zu vermitteln.

Aus jeder Krise führt ein Weg

Und vor allem das Wissen, dass aus jeder Krise auch ein Weg führe. Dafür sei es wichtig, dass Eltern die Erfolge der Kinder würdigten, Talente wertschätzten, Anerkennung geben, positives Denken förderten. Wolfgang Jaede weiß, was er da von Eltern fordert. Dass sie ihre Kinder auch dann lieben, wenn sie motzig und trotzig sind, schlechte Noten heimbringen, Regeln mit Unmut begegnen. „Das ist nicht leicht, sind aber jene Situationen, in denen Kinder am meisten Liebe brauchen.“

Der Schutzengel seiner Kinder zu sein – das sei die wichtigste Aufgabe der Eltern. Dazu gehöre auch der Mut, Regeln aufzustellen, Strukturen zu geben, Grenzen zu setzen.

Quelle: HNA

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