Mutiger Auftritt von Lisa Fitz in „Wolfshagen“

Sie kann es immer noch: Lisa Fitz überzeugte beim Auftritt im Wolfhager Kulturladen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Es gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, in einem fast ausverkauften Saal auf die Bühne zu treten, ohne genau zu wissen, wo man eigentlich ist.

Einer Lisa Fitz aber nimmt es offensichtlich niemand krumm, wenn sie ihr Publikum in „Wolfshagen“ begrüßt und auf das Raunen im Publikum nicht einmal eingeht. Vielleicht fehlte ihr dazu am Montagabend im Kulturladen einfach der Mut, dem sie ihr gleichnamiges, mittlerweile 15. Bühnenprogramm gewidmet hat.

Sie kann es immer noch, auch mit stolzen 61 Jahren, die man ihr nicht wirklich abnehmen will, wenn sie sich aus ihrem schwarzen Mantel geschält hat und im quietschigen Neon-Dirndl mit den Scheinwerfern um die Wette strahlt. „Sie haben den Blickfang, und ich nicht zwei Stunden den Zwang zur Intelligenz“, sagt sie und erklärt die Tracht ihrer Heimat Bayern kurzerhand zur Tarnkappe, die das Hirn darunter unsichtbar mache. Spätestens jetzt hat sie die Wolfhager ohne „s“ auf ihrer Seite und nimmt sie mit auf einen gut zweistündigen Exkurs über Mut, Zivicourage und Ängste.

Sie schimpft wacker gegen die „Deppenstraße ins Tal der Ahnungslosen“, die uns als Weg auferlegt worden sei in Zeiten des Internets, welches in einer Sekunde mehr denken könne als ein menschliches Hirn im ganzen Leben. „iPhone, iPad, iPod – iNsamkeit“, zeigt sie die Gefahren des Computerzeitalters auf, die schon zu Skelettfunden vor PCs geführt hätten. Fitz’ Überlegungen an sich sind zwar nicht neu und an mancher Stelle etwas zu moralisierend, der unterschwellige Witz aber macht sie doch angenehm unterhaltsam: „Vorratsdatenspeicherung dank Facebook, Google & Co. macht uns immer mehr zur Edel-DDR, einer DDR 2.0.“

Von Zivilcourrage kann Fitz in der „neuen Feudalgesellschaft“ gar nicht genug bekommen, schließlich lernt man gehen und sprechen, dann sitzen und den Mund halten“, zitiert sie Marcel Pagnol und lässt ihr Publikum motivierende „Mut, Mut!“-Rufe singen, wispern und schreien.

Das kommt an, wie auch die herrlichen Alltagssituationen, mit denen sie zeigt, wie oft es an Mut und Zivilcourrage fehlt. Vergessen sind die Zeiten, in denen die niederbayerische Vorzeigekabarettistin die anspruchsvolle Bühne gegen einen Platz im Dschungelcamp getauscht hat und von einer TV-Talkshow zur nächsten tingelte.

Kabarett mit spitzer Zunge

Fitz besinnt sich wieder auf das, was sie am besten kann: leichtes Kabarett mit spitzer Zunge, gespickt mit musikalischen Einlagen, die stellenweise die Gags sogar in den Schatten stellen.

Quelle: HNA

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