Mutmaßlicher Brandstifter könnte glimpflich davonkommen

Kassel/Spangenberg. Der Angeklagte möchte reden, aber noch durfte er nicht. Der 38-Jährige, dem eine Serie von Brandstiftungen in Spangenberg zur Last gelegt wird, will endlich sein Schweigen brechen.

Will erklären, warum er immer wieder gezündelt hat. Sieben Mal in weniger als einem Dreivierteljahr, mit einem Gesamtschaden von mehr als 230.000 Euro. Das kündigte sein Verteidiger Bernd Schubert am Mittwoch beim Prozessauftakt vor dem Kasseler Landgericht an.

Doch bis der Angeklagte vor Gericht reinen Tisch machen kann, muss er sich noch bis zum zweiten Verhandlungstag gedulden. Erst einmal soll er der psychiatrischen Sachverständigen Birgit von Hecker Rede und Antwort stehen. Vom Ergebnis dieses Gutachtens wird maßgeblich abhängen, welches Schicksal den 38-Jährigen erwartet. Oder konkret: ob eine Absprache über das Strafmaß, die die Verfahrensbeteiligten beim Prozessauftakt trafen, tatsächlich umgesetzt werden kann.

Die Einigung sieht vor, dass der bislang nicht vorbestrafte Mann mit einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren davonkommen soll – vorausgesetzt, er räumt alle Taten vorbehaltslos ein. Als Bewährungsauflage würde er dann dazu verpflichtet, sich wegen seines Alkoholproblems in stationäre Behandlung zu begeben.

Zuvor allerdings muss die Gutachterin noch die entscheidende Frage beantworten: Reicht das? Oder muss der Mann doch in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werden? Wegen seiner Alkoholabhängigkeit hatte der 38-Jährige im Sommer 2011 bereits für wenige Wochen in Gut Halbersdorf in Spangenberg gelebt – einer Rehabilitationseinrichtung für Suchtkranke mit eigener Landwirtschaft. Dann aber wurde er vom Jobcenter zu einem Ein-Euro-Job verpflichtet und verschwand aus der Obhut des Heims. Viermal soll er danach, als er ohne feste Bleibe war, gezündelt haben.

Von Joachim Tornau

Quelle: HNA

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