Bad Wildungerin wegen Körperverletzung zu sechs Monaten Haft verurteilt

Fritzlar. Zu sechs Monaten Haftstrafe ohne Bewährung wurde eine 33-jährige Frau aus Bad Wildungen vom Fritzlarer Amtsgericht verurteilt. Sie war angeklagt worden wegen des Verdachts der Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchter schwerer Brandstiftung.

Ihr wurde vorgeworfen, am 7. Dezember vergangenen Jahres während eines Streites in der Wohnung von zwei Männern im Alter von 24 und 44 Jahren in Borken den jüngeren Mann angegriffen und gewürgt zu haben. Nachdem es dem Mann gelungen war, die Frau aus der Wohnung zu drängen, habe sie ein Loch in die Wohnungstür geschlagen.

Grillanzünder und Zeitung

Acht Tage später soll sie eine Zeitung mit Grillanzündern in das Loch gesteckt und angezündet haben. Die beiden Männer wurden auf den Rauchgeruch aufmerksam und konnten den Brand löschen, bevor er auf die Wohnung übergriff. Während die Frau die Körperverletzung und Sachbeschädigung zugab, bestritt sie von Anfang an die Brandstiftung (HNA berichtete).

Sechs Zeugen wurden beim zweiten Verhandlungstermin gehört. Dabei stellte sich heraus, dass niemand gesehen hatte, wer den Brand gelegt hatte. Zudem widersprachen sich bei diesem Tatvorwurf einige Zeugen. Beim den Vorwürfen der Sachbeschädigung und der Körperverletzung stimmten die Aussagen der Angeklagten mit denen der Zeugen weitgehend überein.

Die Angeklagte erklärte, unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss gehandelt zu haben und entschuldigte sich. Sie sei sehr wütend gewesen, weil der 24-Jährige Borkener ihrer Tochter in der Schule Drogen angeboten habe. „Ich weiß, was Drogen anrichten können“, sagte sie. Ihr Pflichtverteidiger zeigte Verständnis für ihre Wut, die sicher alle Eltern gut nachempfinden könnten: „Der würde von mir auch ein paar um die Ohren kriegen“, meinte er bei der Vorstellung, den eigenen Kindern biete jemand Drogen an.

Er hob hervor, dass seine Mandantin geständig und während der Tat eingeschränkt steuerungsfähig gewesen sei. Er schlug vor, die Untersuchungshaft von sechs Wochen mit der Strafe zu verrechnen und beantragte Freispruch.

Brandstiftung nicht bewiesen

Die Staatsanwältin war ebenfalls der Ansicht, dass die Angeklagte vom Tatvorwurf der Brandstiftung freigesprochen werden sollte, weil man ihr die Tat nicht nachweisen könne. Allerdings sei die Angeklagte Alkohol gewöhnt und habe daher im Falle der Körperverletzung und Sachbeschädigung gewusst, was sie tat. Strafverschärfend seien die vielen Vorstrafen, darunter auch eine Strafe wegen gefährliche Körperverletzung sowie die Tatsache, dass sie zum Tatzeitpunkt unter zweifacher Bewährung stand.

Außerdem habe sie noch nicht viel gegen ihre Alkohol- und Drogenprobleme unternommen. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Zweifache Bewährung

Richterin Corinna Eichler verurteilte die Angeklagte zu zwei und fünf Monaten Haft für die Sachbeschädigung und die Körperverletzung, die insgesamt sechs Monate Haft ergaben und nicht zur Bewährung ausgesetzt wurden, weil die Angeklagte bereits unter zweifacher Bewährung stand.

Bei der Höhe der Strafe sei das Motiv zu beachten, sagte die Richterin. Es sei ein Unterschied, ob jemand einfach so auf einen anderen losginge oder aus seiner Sicht berechtigte Interessen habe. Das sei in dem vorliegenden Fall nachvollziehbar. Vom Vorwurf der Brandstiftung wurde die 33-Jährige Angeklagte freigesprochen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

Kommentare