Allerdings keine starke Zunahme in jüngster Zeit

Mysteriöse Seuche bedroht Tierbestände 

Schwalm-Eder. Eine mysteriöse Krankheit rafft tausende Milchkühe und Rinder hinweg und bedroht unter anderem die Existenz von Viehwirten. Auch im Schwalm-Eder-Kreis sei man sich der Gefahr bewusst, sagt Kreisveterinär Dr. Hans-Gerhard Heil.

Der chronische Botulismus breitet sich vom Norden Deutschlands in den Süden aus. In Nordhessen habe es in den vergangenen Jahren zwar auffällige Häufungen gegeben, sagt Heil, aber in jüngster Zeit gebe es glücklicherweise keine signifikante Zunahme.

Vorbeugen könnten die Landwirte nicht, sagt Dr. Günther Weber aus Wabern, Vorsitzender des Landesverbandes praktizierender Tierärzte. Weder die Ursache der Krankheit sei bekannt noch eine sichere Diagnose möglich. Ein Impstoff existiere zwar, dieser sei in Deutschland aber nur mit Ausnahmegenehmigung erhältlich.

Von Staats wegen gilt der chronische Botulismus nicht einmal als Krankheit. Der Erreger, das Bakterium Clostridium botulinum beziehungsweise desses Toxin, sei im Organismus nur schwer nachweisbar, sagt Professor Dr. Dr. Helge Böhnel aus Göttingen. Der Experte für bakteriologische Diagnostik weiter: „Es gibt aber eindeutige klinische Symptome, die so bei keiner anderen Krankheit auftreten.“

Dies werde aber von Ministerien wie dem Bundeministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz geleugnet. Wegen dieser unklaren Lage erhielten betroffene Landwirte weder eine Entschädigung für tote Tiere noch eine Rente, falls sie sich selbst ansteckten.

In Deutschland seien mehr als 2000 landwirtschaftliche Rinderbetriebe betroffen, schätzt der Veterinärmediziner Böhnel. „Es gibt Hinweise, dass die Krankheit auch bei Landwirten und Tierärzten auftritt, die Kontakt mit erkrankten Tieren hatten“, sagt Böhnel. Beim Menschen sei die Krankheit meldepflichtig, bei Tieren hingegen nicht.

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Quelle: HNA

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