Nach Brandserie: Familie gibt Weißenthalsmühle auf

Es hat nicht gereicht: Volker Günther vor dem Neubau der abgebrannten Mühle. Trotz größten Engagements wurden die Arbeiten nicht rechtzeitig fertig. Zum Schluss fehlte das Geld.

Niedenstein. Was drei Brände nicht geschafft haben, ist der Allianz-Versicherung gelungen: Volker Günther und Corinna Schulze geben auf. Die Weißenthalsmühle in Kirchberg schließt. Günther sucht jetzt einen Käufer.

Den mehr als 100 Dauer-Campern wurde zum Jahresende gekündigt und das Ausflugslokal, das eigentlich in diesem Jahr schon wieder geöffnet haben sollte, bleibt ebenfalls zu. „Die Versicherung hat uns ausbluten lassen“, sagt Volker Günther. Seit November vergangenen Jahres sei kein Geld mehr geflossen. Etwa 30 000 Euro stünden noch zur Begleichung des ersten Brandes aus.

Ermittlungen eingestellt

Ein Feuer hatte die Mühle im Jahr 2008 zerstört. Danach brannte noch ein ein Wohnhaus (November 2010) und das Gebäude mit den Sanitäranlagen (Januar 2011). Bei den letzten Bränden handelte es sich nach Angabe der Staatsanwalt mit hoher Wahrscheinlichkeit um Brandstiftung. Im Wohnhaus wurde Benzin als Brandbeschleuniger nachgewiesen.

Aus dem Archiv:

- Weißenthalsmühle bei Niedenstein: Brand zerstört Wohnhaus

- Erneut Brand an der Weißenthalsmühle bei Kirchberg

Das Ermittlungsverfahren wurde im Mai dieses Jahres von der Kasseler Staatsanwaltschaft eingestellt. Ermittlungen gegen Volker Günther und Corinna Schulze ergaben nichts. Geld für die Neubauten gab es für das vollständig rehabilitierte Paar von der Versicherung bis heute dennoch nicht. Das Ehepaar ist finanziell am Ende: Schon in den vergangenen Monaten steckte Volker Günther nur noch eigenes Geld in den Neubau. „Es hat nicht gereicht. Wir bekommen vor dem Winteranfang die Sanitäranlagen nicht fertig“, sagt der 47-Jährige. Den Campern musste gekündigt werden, um Schadenersatzforderungen zu vermeiden. Denn die für einen Campingbetrieb notwendige Infrastruktur könne nicht fertiggestellt werden.“

Das tat uns in der Seele weh“, sagt Corinna Schulze. Einige Camper kämen bereits seit 40 Jahren nach Kirchberg. Daher dürften sie die Stellplätze vorerst auch weiter benutzen.

„Wir wollen diese wundervolle Anlage auf jeden Fall in gute Hände abgeben. Der Betrieb soll weitergehen“, sagt Volker Günther. Aber für ihn sei das Risiko schlichtweg zu groß. Die Allianz habe ihnen alle Versicherungen gekündigt. Von der privaten Haftpflicht bis zur Autoversicherung. Die Mühle sei zwar derzeit mit einem Aufschlag von 50 Prozent bei einem anderen Unternehmen versichert, sollte aber nochmal eine Kleinigkeit passieren, ließe sich mit Sicherheit keine neue mehr finden. „Von 26 angefragten Versicherungen haben uns direkt 23 abgesagt“, sagt Günther.

Mit dem Verkauf sei ein niederländischer Makler beauftragt worden. Der dortige Markt sei besser geeignet, einen Käufer zu finden.

Die Stadt kündigte bereits an, einen neuen Eigentümer nach Kräften zu unterstützen. Bürgermeister Werner Lange: „Es ist sehr bedauerlich, dass der Campingplatz schließen muss. Er gehörte zu den wichtigen touristischen Einrichtungen.“ Die Stadt werde sich bei Bedarf bei der Suche beteiligen und nach Möglichkeit helfen, bürokratische Hürden zu nehmen, sagt Lange.

Aus dem Archiv: Weißenthalsmühle bei Brand zerstört

Aus dem Archiv: Erneut Brand an der Weißenthalsmühle bei Kirchberg

Quelle: HNA

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