Frau mit Flasche niedergeschlagen

Nach brutalem Überfall: Opfer und Enkel schildern Ereignisse

Wolfhagen. Der 22-jährige Pascal B. wirkt am Tag nach dem Raubüberfall auf das Dorflädchen in Altenhasungen aufgeräumt. Äußerlich deutet wenig auf die dramatischen Ereignisse hin, die der Einzelhandelskaufmann am Abend zuvor erlebt hat. Er hatte die Täter verfolgt, die seine Oma attackiert hatten.

Sie hatten auf die Frau brutal mit einer Schnapsflasche eingeschlagen, sie mit Faustschlägen sowie Tritten attackiert und verletzt.

Am Mittwochabend gegen kurz nach 19 Uhr klingelt das Handy des 22-Jährigen, während er mit seiner hochschwangeren Freundin Fernsehen schaut und Pfiffe auf der Straße hört, denen er zunächst keine Bedeutung beimisst. Sein Vater informiert ihn, sagt: „Oma ist überfallen worden, hier ist alles voller Blut.“ Ohne zu zögern springt er auf, schickt seine Freundin zum Laden und macht sich auf die Suche nach den Tätern. Er folgt einigen Zigarettenschachteln auf der Straße und versucht die Pfiffe, die er nun als mögliches Kontaktsignal der Täter wahrnimmt, zu orten.

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Am Ortsausgang schließlich trifft er auf zwei Jugendliche, die in einer Kiste Zigaretten und Schnaps transportieren. Mit der Aussage „Ihr habt eine Schachtel Kippen verloren“ verwickelt er einen der beiden ins Gespräch und überwältigt ihn. Als dessen Kumpel mit einer Wodkaflasche auf ihn einprügeln will, wehrt er den Angriff ab und bringt auch den zweiten Täter unter Kontrolle, indem er seinen Kopf packt und auf die Wasserkiste drückt. Immer wieder versucht einer der Jugendlichen sich loszureißen, schlägt und spuckt wild um sich.

Doch Pascal ist voller Adrenalin, wie er sagt, und schafft es, beide Täter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Diese gut zehn Minuten seien eine „Ewigkeit gewesen“, sagt er. Seine Oma sagt zum brutalen Angriff: „Ich hätte tot sein können.“ Immer wieder hätten die beiden Jugendlichen auf sie eingeschlagen, um an das Geld zu kommen.

Doch sie sei standhaft geblieben, obwohl sie bereits blutüberströmt war und durch die Attacken immer wieder das Bewusstsein verloren hätte. Die 66-Jährige ist froh, den Angriff überlebt zu haben. Ob sie jedoch nach diesem traumatischen Erlebnis jemals wieder im Dorfladen arbeiten wird, kann sie noch nicht sagen, zu tief sitzt der Schock der Erlebnisse.

Pascal ist mit seinen Gedanken bei der Oma, die für ihn wie eine Mutter ist, auch deshalb zog er vor eineinhalb Jahren wieder nach Altenhasungen, wo er einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Dass er aufgrund eines Pseudo-Hirn-Tumors bereits seit Monaten krankgeschrieben ist und dadurch selten mehr als 200 Meter ohne Probleme laufen kann, merkte der 22-Jährige bei seiner Verfolgungsjagd nicht.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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