Nach Fahrerflucht: Angeklagte weint vor dem Richter in Schwalmstadt

Schwalmstadt. Völlig aufgelöst und mit Tränen in den Augen nahm eine 21-Jährige Frau aus dem Altkreis Ziegenhain vor Kurzem auf der Anklagebank am Amtsgericht Schwalmstadt Platz.

Die Auszubildende musste sich wegen Fahrerflucht verantworten.

Laut Anklageschrift hatte die Auszubildende im vergangenen November in Treysa einen Unfall verursacht und unerlaubt den Ort des Geschehens verlassen. Bei dem Zusammenstoß sei an dem Wagen des Unfallgegners ein Schaden von 1.070 Euro entstanden, sagte der Staatsanwalt.

Sichtlich aufgeregt und mit verweintem Gesicht schilderte die 21-Jährige den Vorfall. Sie habe mit ihrem Auto hinter einem Bus gewartet und nach kurzem Überlegen zum Überholen angesetzt. Dabei sei sie dann mit dem anderen Auto seitlich zusammengestoßen. „Ich habe leider nicht in den Rückspiegel gesehen.“

Auf die Frage des Gerichts, warum sie denn nach dem Unfall weitergefahren sei, konnte die Frau keine schlüssige Antwort geben: „Ich hatte Angst. Ich weiß es nicht.“

Nur ein Zeuge

Als einziger Zeuge war der Unfallgegner geladen. Er sei damals auf dem Weg zur Arbeit gewesen, sagte der 19-Jährige. Nach dem Unfall habe er der Angeklagten ein Zeichen gegeben und sei auf den Hof einer gegenüberliegenden Tankstelle gefahren. Dort habe er auf die 21-Jährige gewartet. „Aber sie kam nicht.“

Sie sei mit der ganzen Situation überfordert gewesen und habe Angst und Panik gehabt, rechtfertigte sich die Angeklagte auf Nachfrage nochmals und wischte sich zum wiederholten Male eine Träne aus den Augenwinkeln.

Da weder Angeklagte, noch Zeuge wussten, ob der Schaden mittlerweile reguliert worden war, unterbrach der Vorsitzende Richter die Verhandlung für einige Minuten. Ein Telefongespräch des Zeugen mit seinem Vater klärte die Frage aber rasch. Die Versicherung der Unfallverursacherin hatte das Geld überwiesen.

Unfallflucht sei ein sehr hässliches Delikt, der Geschädigte habe den Schaden und bleibe auf allen Kosten sitzen. Viele würden auf ihr Glück hoffen, diesmal habe es nicht geklappt, stellte der Richter am Ende der Beweisaufnahme knapp fest.

Umfassendes Geständnis

Angesichts des umfassenden Geständnisses der Frau wurde das Verfahren mit Einverständnis aller Prozessbeteiligten schließlich gegen Zahlung von 800 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung in Schwalmstadt eingestellt. Die milde Strafe sei nur einmal möglich, sagte der Richter zur Angeklagten: „Beim nächsten Mal ist es ein Urteil.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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