Kritik am baulichen Zustand des Fachwerkhauses

Nach Feuer in Gudensberg: 17 Brandopfer sind obdachlos

Viele Bewohner haben das Dach überm Kopf verloren: Das Fachwerkhaus, das am Montagabend in Gudensberg abbrannte, soll sich in einem maroden Zustand befunden haben. Foto:  Zerhau

Gudensberg. Viele Jahrzehnte war es eine Gaststätte: Das Fachwerkgebäude am Renthof in Gudensberg, das am Montag niedergebrannt ist, hat eine lange Geschichte.

Nun werden die Reste abgerissen. Zuletzt lebten in den Räumen des Hauses 45 Personen. Das steht nach Recherchen der Stadtverwaltung jetzt fest.

Für die Mehrzahl der Bewohner, die durch den Brand obdachlos geworden sind, hat die Stadt inzwischen neue Unterkünfte gefunden. Eine Familie sei bei Freunden untergekommen, zwei Familien lebten noch in einem Hotel, sagte Bürgermeister Frank Börner. Man müsse jetzt aber noch für 17 Personen Wohnungen finden. Wer Räume zur Verfügung stellen könne, solle sich bei der Stadtverwaltung melden.

„Dass wir das geschafft haben, war eine Wahnsinnsleistung vieler Beteiligter“, sagte Börner. Man habe auf die Schnelle Wohnungen hergerichtet, die eigentlich für die angekündigten Flüchtlinge bereitstehen sollten. Die fehlten jetzt natürlich dafür.

Der Bürgermeister betonte, dass es tolle Reaktionen aus der Gudensberger Einwohnerschaft gegeben habe, die Hilfsbereitschaft sei sehr groß. „Hier packen alle an und stehen zusammen“, sagte er und bedankte sich nochmals.

Kritik gab es im Zuge der Brandbekämpfung und der Ursachenermittlung an dem baulichen Zustand des Fachwerkhauses, von dem nicht mehr viel steht. Der Eigentümer, ein Gudensberger Geschäftsmann, hatte das sanierungsbedürftige Gebäude gekauft und die Wohnungen in erster Linie an Familien und Personen aus Bulgarien, Rumänien und Polen vermietet. Viele arbeiten in dem Geflügelschlachtbetrieb in Gudensberg.

„Das war teilweise kaum zumutbar“, so eine Aussage, besonders hinsichtlich der Infrastruktur bei Strom und Wasser. Manche Wohnungen hätten keine eigenen Bäder und Toiletten gehabt. Nach Recherchen der HNA gehören dem Eigentümer weitere, vergleichbare Immobilien in der Gudensberger Altstadt: Alles ältere Fachwerkhäuser, die in den vergangenen Jahren günstig erworben und an Menschen vermietet wurden, die günstigen Wohnraum benötigten.

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Quelle: HNA

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