Nach Hilferuf in C&A-Jeans: Treysaer will Arbeitsgruppe von Terre des hommes gründen

Für die Kinder: Horst Krause-Willenberg (links) will eine Arbeitsgruppe von Terre des hommes in der Schwalm gründen, rechts Gast und Referent Klaus Kabey. Foto:  Rose

Treysa. Als eine Wasenbergerin kürzlich in einer neuen Jeans einen Zettel mit der Aufschrift „Helft kambodschanischen Kindern“ fand, löste das eine Welle der Aufmerksamkeit aus. Der Treysaer Horst Krause-Willenberg beschäftigte sich näher mit Kinderarbeit in den Kleiderfabriken.

Horst Krause-Willenberg will mit Menschen ins Gespräch kommen: Über Kinderarmut, vor allem aber Kinderarbeit in der Bekleidungsindustrie. Dem Treysaer ist das Thema ein großes Anliegen. Deshalb möchte er in der Schwalm eine Arbeitsgruppe gründen, die sich unter dem Dach des Kinderhilfswerkes Terre des hommes einbringt.

Dazu war Klaus Kabey, der aktiv gegen Kinderarbeit in Asien kämpft, zu Gast in Treysa. Im Franz-von-Roques-Haus sprach er über die verheerenden Bedingungen in den Fabriken. „Das Problem ist nach wie vor, dass die Textilindustrie die Lieferkette nicht im Blick hat“, sagte der Experte.

Der Markt werde jedoch größer, so dass Hersteller an dieser Frage immer schlechter vorbei kämen. In Indien sei Terre des hommes sehr aktiv: „Hier gibt es in den Nähereien fast keine Kinderarbeit mehr“, erläuterte Kabey. Die Projekte zeigten, dass Veränderungen durchaus möglich seien. Überwiegend in Indien, Bangladesh und China werde für die Textilindustrie produziert. „Mittlerweile auch in Birma - da geht es noch billiger“, erklärte Kabey.

Dabei sei soziale Verantwortung der Firmen keine Frage des Preises: Wer ein teureres Kleidungsstück kaufe, könne längst nicht sicher sein, dass es unter besseren Bedingungen hergestellt worden sei. Als ökosoziales Label nannte Kabey etwa Hess Natur. Viele Firmen wüssten nicht, wo die Materialien herkämen.

In Indien greife aktuell ein obskures System um sich: Junge Mädchen würden mit dem Versprechen angelockt, binnen vier Jahren ihren Brautpreis zu verdienen. „Der ist in Indien eigentlich verboten, aber immer noch gängige Praxis“, erklärte der Experte.

Kinderarbeit ist in der Textilindustrie an der Tagesordnung: Drei kleine Jungen besticken in einer Textilfabrik in Multan (Pakistan) einen Stoff für ein Hochzeitskleid. Foto:  dpa

Sie verpflichteten sich also bei einer Spinnerei. Die Firmeninhaber sicherten ihnen zu, das Geld auf einem Konto zu sammeln und ihnen dann auszuzahlen. „Die Mädchen schaffen kaum diese vier Jahre, weil die Arbeits- und Lebensbedingungen katastrophal sind“, verdeutlichte der Aktivist. Die Selbstmordrate sei dort extrem angestiegen. Das System sei Sklaverei: „Und wer nicht mit dem Leben bezahlt, verliert oft in den Maschinen Fingerglieder.“

Nur ein bis zwei Prozent des Preises würden etwa in den Arbeitslohn fließen. „Es geht um Profit. Um sonst nichts“, so Klaus Kabey. Es gehe darum, aufzuklären und dafür zu werben, gezielt Labels mit ökosozialer Verantwortung zu unterstützen. Aktuell beschäftige sich die Bundesregierung mit einem eigenen Label: Doch das komme in der Textilwirtschaft nicht gut an.

„Generell muss man sich auch die Frage stellen, ob man ständig neue Klamotten braucht oder man auch in Second Hand gut aussehen kann“, meint Horst Krause-Willenberg. Die geplante Arbeitsgruppe in Treysa setze sich zum Ziel, auch und vor allem junge Leute zu informieren. „Ich stelle mir Info-Tage in Schulen vor.“

Von Sandra Rose 

Wer sich für die Schwälmer Arbeitsgruppe von Terre des hommes interessiert, meldet sich bei Horst Krause-Willenberg, Tel. 06691/ 966 365.

 

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