Nach 23 Jahren: Werner Kunz hört als Wolfhager Stadtverordnetenvorsteher auf

Zuhause im Herzen Wolfhagens: Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz hat seine Anwaltskanzlei in der Altstadt und wohnt auch mittendrin in einem Fachwerkhaus. In der kommenden Woche wird er sich aus der Kommunalpolitik zurückziehen. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. „Es hätte schlechter laufen können", sagt Werner Kunz beim Blick zurück auf seine 23-jährige Amtszeit als Wolfhager Stadtverordnetenvorsteher. Ende des Monats ist Schluss mit der Kommunalpolitik.

Der 67-Jährige hört auf nach so manchem Gefecht im Parlament, nach Jahren in der Politik, in denen er viel Zeit investiert hat.

Der Zeitpunkt für den Abgang sei richtig gewählt, ist er überzeugt. Es sei besser, den Absprung zu finden, „wenn die Leute noch sagen, schade, dass er aufhört“. Hinter dem streitbaren, 167 Zentimeter großen Kunz liegen bewegte Jahre der Wolfhager Stadtpolitik, die er wesentlich mitgeprägt hat. Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus, dass er an exponierter Stelle im Wolfhager Politik-Betrieb mitmischen würde.

Nach einem ersten Aufenthalt in Wolfhagen als Wehrpflichtiger in der Pommernkasere Ende der 60er-Jahre ging der gebürtige Limburger zum Jura-Studium nach Marburg. Die kleine Kreisstadt in Nordhessen hatte er längst verdrängt, als dem examinierten Juristen eine Rechtsanwaltskanzlei just in Wolfhagen zur Übernahme angeboten wurde. Während eines zweistündigen Spaziergangs durch die Stadt mit seiner Frau Helga fiel die Entscheidung zugunsten der neuen Heimat, in der sich Werner Kunz von Anfang an engagierte - in Vereinen, im Elternbeirat des Kindergartens. Bald war er Schulelternbeiratsvorsitzender.

Der rege Advokat fiel auch den lokalen Entscheidungsträgern auf. Die SPD lud den Parteilosen zu einer Fraktionssitzung ein, bei der nächsten Kommunalwahl 1993 stand er schon auf Listenplatz 10 der Wolfhager Genossen. „Die Wahl haben wir gewonnen“, erinnert sich Kunz. Dann habe man ihm, den immer noch Parteilosen, das Amt des Stadtverordnetenvorstehers angetragen. Kunz wurde gewählt.

Was folgte, sagt der Politiker aus Leidenschaft, „war eine schöne und spannende Zeit. Es hat Spaß gemacht, es ist viel passiert.“ Und ja, natürlich habe er auch Fehler gemacht und polarisiert.

Nach fünf Jahren im Amt trat Werner Kunz schließlich in die SPD ein und blieb es, bis in Berlin die Große Koalition von CDU und SPD geschmiedet wurde. Aus Protest gab er sein Parteibuch zurück. Für Kunz war sein Austritt nur konsequent: „Ich bin geradeaus, direkt und habe mich nie verbiegen lassen.“

Der Äppelwoi-Liebhaber bekennt sich aber noch zu weiteren Eigenschaften. Er sei verlässlich und gesellig. Und: „Ich war schon immer ein HB-Männchen, ein bisschen cholerisch“, räumt er ein, „ich bin schnell oben, aber nie nachtragend“. „Und vielleicht bin ich auch machtgeil. Wenn man im inneren Zirkel ist und vieles früher weiß als die anderen, dann ist das schon befriedigend.“

Langweilig sollte es ihm künftig nicht werden. Der Vater dreier Kinder wird im kommenden Monat Opa, die Familie, die in den 23 Jahren viel zu oft zu kurz gekommen ist, wird ihn stärker fordern. Auf dem Programm stehen zudem Städtetrips mit seiner Frau Helga, die ihn mit viel Verständnis fürs politische Amt zuhause den Rücken frei hielt. Und schließlich ist Werner Kunz weiter als Rechtsanwalt und Notar gefordert.

Quelle: HNA

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