Geständnis gleich zu Beginn

Nach Raub an Rentnerin: Bewährungsstrafe für Spielsüchtigen

Schwalmstadt/Frielendorf. Möglichst schnell an Geld für das Nötigste kommen, das war das Ziel eines 48-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis, der wegen Raubes vor dem Amtsgericht Treysa stand.

Der Angeklagte hatte laut Anklageschrift im Juni einer älteren Dame vor deren Wohnhaus in Frielendorf die Handtasche entrissen und war damit geflohen.

Der frisch geschiedene Mann bezieht aufgrund verschiedener gesundheitlicher Probleme nur eine Erwerbsminderungsrente. Wegen hoher finanzieller Belastungen habe er Schwierigkeiten, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, erklärte der Angeklagte, der die Tat gleich zu Beginn der Verhandlung gestand. Seine Spielsucht verschlimmere das Problem. Manchmal habe er nicht einmal mehr etwas zu Essen gehabt.

Ende Mai fuhr der Angeklagte über Frielendorf nach Schwalmstadt. Auf einem Gehweg in Frielendorf sah er eine ältere, gehbehinderte Dame. Sie wirkte erschöpft. Er hielt an und fragte, ob sie Hilfe brauche und ob er sie mitnehmen könne. Die 82-jährige Frielendorferin, die ursprünglich mit dem Bus nach Ziegenhain zum Arzt fahren wollte, stieg in sein Auto. Während der Fahrt unterhielten sie sich, der Angeklagte fragte sie nach ihren Lebensumständen und erfuhr so unter anderem ihre Adresse.

Einige Tage später habe er sich dann in akuter finanzieller Not befunden, sagte der Angeklagte. Mehrfach rief er bei der alten Dame an, gab sich als Mitarbeiter ihrer Augenarztpraxis aus und bat sie, wegen einer Untersuchung sofort in die Praxis zu kommen. Nach dem Anruf sei er jedoch ängstlich geworden und habe den vermeintlichen Termin wieder abgesagt. Die 82-Jährige schickte er stattdessen in die Apotheke unter dem Vorwand, sie müsse sich dringend eine Augenklappe kaufen.

Er wartete, bis die Rentnerin nach dem Apothekenbesuch wieder zu Hause eintraf. Dann überraschte er sie vor ihrem Haus von hinten, entriss ihr die Handtasche und lief davon. Sein Opfer fiel zu Boden und konnte aus eigener Kraft nur bis zur Straße robben. Dort kam eine Nachbarin zu Hilfe. Verletzt wurde die Frau nicht, „aber der Schock sitzt noch immer tief“, sagte sie. Der Mann konnte durch die Telefonauswertung und eine Zeugenaussage bei der Polizei eindeutig identifiziert werden.

Die Beute des Täters belief sich auf etwa 50 Euro, die sich im Portemonnaie befanden, sowie einige Lebensmittel. Das Opfer bat er um Entschuldigung. „Wenn Sie mir Ihre Lage erklärt hätten, hätte ich ihnen sogar geholfen, ich bin nicht geizig“, antwortete die aufgebrachte Rentnerin.

Der Verteidiger plädierte darauf, seinen Mandanten angesichts der Umstände nur wegen Raubes im minder schweren Fall zu verurteilen. Nach Ansicht des Schöffengerichts lag ein solcher hier allerdings nicht vor.

Der Angeklagte wurde wegen Raubes zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten zur Bewährung verurteilt. „Es handelt sich hier um einen ganz klassischen Straßenraub“, sagte der vorsitzende Richter.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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