1995 zu Gast in der Bartenwetzerstadt

Nach dem Tod von Roman Herzog: Erinnerungen an Besuch in Melsungen

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Bummel durch die Melsunger Innenstadt: Am Mittwoch, 3. Mai, 1995 mit im Bild von links Karin Eichel und ihr Mann Ministerpräsident Hans Eichel, Christiane Herzog, der damalige und 2016 verstorbene Bürgermeister Karl-Heinz Dietzel und Bundespräsident Roman Herzog im Gespräch.

Melsungen. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog ist gestorben. In Nordhessen, genauer gesagt in Melsungen, hat Herzog Eindruck hinterlassen.

Am Mittwoch, 3. Mai 1995, betrat er um 14.33 Uhr erstmals nordhessischen Boden, schrieb damals HNA-Redakteur Frank Thonicke. Herzog entstieg auf dem Werksgelände des Medizintechnikherstellers B. Braun einem Hubschrauber.

Herzog kam, wie er scherzte in „gebückter Haltung“. Denn der groß gewachsene Herzog musste aus der kleinen Luke eines Hubschraubers des Bundesgrenzschutzes klettern.

Der Bundespräsident war zwar schon seit zehn Monaten im Amt, seine Reise durch Hessen galt dennoch als offizieller Antrittsbesuch im Bundesland.

Werksführung

Der damalige B. Braun-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. h.c. Ludwig Georg Braun führte Roman Herzog und dessen Frau Christiane durch das neue Werk in den Pfieffewiesen. Zum Tross gehörten auch der damalige Ministerpräsident Hans Eichel und der 2016 verstorbene ehemalige Melsunger Bürgermeister Karl-Heinz Dietzel. Karl-Heinz Griesel, seinerzeit dienstältester B. Braun-Beschäftigter, berichtete, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Floß über die Fulda setzte, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Auch die damals jüngste Mitarbeiterin Susanne Tollhopf fand Erwähnung. Zum Abschluss ging es in die Ausbildungswerkstatt am Schwarzenberger Weg. Dort bedauerte der Bundespräsident beim Treffen mit französischen Austauschschülern, kein Französisch zu sprechen.

Gastgeschenke

Ludwig Georg Braun überreichte Herzog und Eichel Präsentkörbe mit nordhessischen Spezialitäten. Diese dürften dem Kasseler Hans Eichel nicht fremd gewesen sein, dennoch sprach er eine Warnung aus. Denn auch Wein war unter den Spezialitäten: ein nordhessischer Weißwein vom Böddiger Berg. Vor diesem habe er Roman Herzog bereits gewarnt, witzelte Eichel. Herzog blieb gelassen und versprach, ihn dennoch kosten zu wollen.

Fürstlicher Empfang

Richtig was los war rund ums Melsunger Rathaus. Eine große Menschenmenge drängte sich auf dem Melsunger Marktplatz. Darunter auch die komplette kommunalpolitische Politprominenz um Landrat Jürgen Hasheider.

Geschichtsträchtiger Besuch

Karl-Heinz Dietzel bezeichnete den Besuch sodann auch als geschichtsträchtig: Denn seit Friedrich Wilhelm im Jahre 1848 habe kein amtierendes Staatsoberhaupt mehr Melsungen besucht. Erneut gab es allerlei Geschenke: darunter ein Fläschchen Melsunger Bartenwetzer gegen Magenverstimmung. Darunter leide er zwar nicht, sagte Herzog, schmecken werde der aber hoffentlich trotzdem.

Das Goldene Buch

Der obligatorische Eintrag ins Goldene Buch der Stadt durfte nicht fehlen. Weitaus kurzweiliger war indes die Tour von Herzog durch die Stadt. Ein Ständchen gab’s von der Schülerkapelle unter Leitung von Carsten Heyner, Gespräche mit Vertretern des THW und zahlreichen Melsungern an den Straßenseiten. Herzog erfüllte dabei viele Autogramm- und Selfiewünsche, auch wenn die 1995 so noch nicht hießen.

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Quelle: HNA

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