Mai-Rede hielt Gewerkschafter Rüdiger Stolzenberg

DGB-Kundgebung am Hospital: Ruf nach sozialem Europa

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Musikalisch: Der Madrigalchor bot den Zuhörern am Hospital ein Ständchen.

Treysa. „Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa“ – unter diesem Titel stand die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Mittwoch am Hospital in Treysa. 50 Gewerkschafter und Gäste waren gekommen, um dem Mai-Redner Rüdiger Stolzenberg zu lauschen.

Musik gab es von der Band „Cover and more“ und dem Madrigalchor.

Stolzenberg erinnerte zunächst an die Zerschlagung der deutschen Gewerkschaftsbewegung am 2. Mai 1933 durch die Nationalsozialisten: „Es geht um Mahnung und Verpflichtung zugleich.“ Rechtsextreme Organisationen müssten verboten, rassistische Einstellungen bekämpft werden. „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“

Seit den 1980er-Jahren erlebe man als Gewerkschafter eine Entwürdigung von Arbeit – massive Umverteilung sicherer Vollzeitjobs in prekäre Billigjobs, Leiharbeit, Teilzeit und Minijobs. Ein neues Problem stellten Werkverträge dar. „Die werden als Schlupfloch genutzt, um Arbeitnehmerrechte zu umgehen.“ Auch Niedriglöhne breiteten sich immer mehr aus. Fünf Millionen Menschen arbeiteten zu Stundenlöhnen unter 8,50 Euro, Altersarmut sei programmiert. „Steuerzahler kostet das Aufstocken der Hungerlöhne auf Hartz-IV-Niveau sieben Milliarden Euro im Jahr – zugunsten der Arbeitgeber, die den Betrag sparen“, sagte Stolzenberg.

Frankfurter zu Gast in Treysa: Rüdiger Stolzenberg (rechts) wurde vom Vorsitzenden des DGB-Ortsvereins Joachim Schmidt willkommen geheißen.

Auch könne es nicht sein, dass Frauen, um auf dasselbe Jahresgehalt wie Männer zu kommen, ein Vierteljahr länger arbeiten müssten. Kritisch sei nach wie vor die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bewerten. Für notwendig hielt der Gewerkschafter auch einen besseren Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. „Psychische Belastungen nehmen zu.“ Stolzenberg warnte vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. „Während die reichen zehn Prozent fast 53 Prozent des Nettogesamtvermögens besitzen, kommt die ärmere Hälfte der Bevölkerung nur auf ein Prozent.“

Armut sei auch ein Thema im Alter. Die Bundesregierung weise darauf hin, dass nur wenige Ruheständler eine Grundsicherung in Anspruch nähmen: „Damit verschweigt sie die Dunkelziffer.“ Viele Arbeitnehmer hielten nicht bis 65 durch. Sie seien „gesundheitlich fertig“. Für die, die noch arbeiten wollten und könnten, gebe es kaum annehmbare Arbeitsplätze. Es könne nicht sein, dass innerhalb Europas Großeltern von ihrer Rente nicht mehr leben könnten. „Wir brauchen Europa – aber nicht dieses“, sagte Stolzenberg. Er sprach sich für ein soziales Europa mit Investitionen in Bildung und Ausbildung aus. Dazu habe der DGB ein Programm erarbeitet. „Finanziert vom Geld der Spekulanten sollen in den kommenden zehn Jahren jährlich für alle EU-Staaten 260 Milliarden Euro in die Hand genommen werden.“ Die Staaten würden daraus 100 Milliarden zusätzliche Steuereinnahmen erzielen können.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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