Nach Zwangsverwaltung

Bewohner kehrte in unbewohnbares Haus zurück

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Das Ende einer Zwangsverwaltung: Voller Müll sind einige der Räume im Haus von Kurt Maldener in Wabern. Nicht nur Müll stapelt sich dort, Wasserschäden haben für Schimmel gesorgt.

Wabern. Es ist ein Geruch aus Urin- und verdorbenen Essensresten, der einem sofort in die Nase steigt. Etwas Widerwärtigeres hat Kurt Maldener noch nicht gerochen und auch noch nicht gesehen. "Das ist eklig", sagt er.

Während er das sagt, geht er langsam Schritt für Schritt durch Hausmüll und Fäkalien. Sie türmen sich in einer der Wohnungen seines Hauses in der Bahnhofstraße in Wabern.

Viele Worte macht Maldener nicht. Er zeigt er auf das, was von seinem Mehrfamilienhaus nach vier Jahren Zwangsverwaltung übrig ist. Vier Jahre war Kurt Maldener nicht in dem Gebäude. Nachdem er in finanzielle Schieflage geraten war und Insolvenz angemeldet hatte, wurde das Haus von der Kreissparkasse zwangsverwaltet.

Das Kreditinstitut und das Amtsgericht beauftragten mit der Umsetzung einen Zwangsverwalter aus Baunatal. "Als ich das Haus übergeben habe, waren alle Wohnungen bewohnt und gut bewohnbar", sagt Maldener und legt zum Beweis ein Übergabeprotokoll vor.

"Jetzt habe ich das Haus wiederbekommen und nur noch eine Wohnung ist bewohnt, alle anderen sind nicht mehr bewohnbar", sagt er. Und tatsächlich: Beim Gang durch das Gebäude wird schnell klar, dass hier so bald niemand mehr einziehen wird. Vielleicht nie mehr. Zerstörte Fenster und Türen, von den Wänden gerissene Vertäfelungen, große schwarze Schimmelflecken, Heizkörper, die abgerissen wurden, liegen in den Räumen, Duschwannen und Kloschüsseln wurden herausgerissen und sind entweder verschwunden oder liegen völlig verdreckt in anderen Räumen.

Teile der Gasheizung sind fort, im Keller schwimmt knöchelhoch die Kloake. Das alles gipfelt in der Wohnung im ersten Stockwerk, in der der Fußboden über und über mit Müll belegt ist, und in der es stinkt. "Da dreht sich einem der Magen um", sagt Edelgard Maldener knapp. Dieser Anblick ist für die Rentner eine Katastrophe. "Wir haben einfach nicht das Geld, um das wieder in einen guten Zustand zu bringen und die Menschen, die hier gewohnt haben, sind über Nacht verschwunden", sagt er. Von einigen wisse er, wo sie wohnen. "Doch was bringt das, sie haben kein Geld", sagt er und schüttelt den Kopf.

Maldener erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kreissparkasse und den Zwangsverwalter: "Sie haben sich nicht um das Gebäude gekümmert. Jetzt, wo es zerstört ist und kein Geld mehr abwirft, geben sie es uns zurück." Dabei müsse sich der Zwangsverwalter um das Gebäude kümmern.

Von Maja Yüce

Das sagt der Zwangsverwalter

Eine gehörige Portion Pech habe Kurt Maldener gehabt, sagt der Zwangsverwalter, der namentlich nicht genannt werden will, im HNA-Gespräch. „Das ist kein schönes Schicksal, aber es ist nicht durch meine Schuld entstanden“, sagt er. Eine Zwangsverwaltung könne so enden, wenn kein Geld da sei, um das Gebäude zu erhalten. Denn der Gläubiger und auch der Eigentümer hätten kein Geld investiert. Zudem habe Maldener Pech mit Mietern gehabt. Es seien Mieter im Haus gewesen, die keine Miete zahlten, die Wohnung auseinander nahmen und über Nacht verschwunden seien. Außerdem habe mindestens ein Messi dort gelebt und die Räume völlig verwahrlosen lassen. Zu diesen Räumen habe der Zwangsverwalter keinen Zugang gehabt und nicht gewusst, wie es in den Räumen aussieht. So etwas falle erst auf, wenn es stinke und sich Mieter beschwerten, das sei nicht der Fall gewesen. Als er von Vandalismusschäden erfahren habe, habe er umgehend den zuständigen Hausmeister beauftragt, dies zu kontrollieren. Die ehemaligen Mieter habe er nicht verklagt, weil da kein Geld zu holen sei und er letztlich auf den Kosten sitzen geblieben wäre. (may)

Quelle: HNA

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