Das Berufschulgebäude wurde saniert – Otti Schwalm erinnert sich an die Anfänge

Nachbarin der ersten Stunde

Vermisst die Wetterfahne: Otti Schwalm, hier auf auf ihrer Terrasse, lebt seit 64 Jahren mit Blick auf die Berufssschule in Ziegenhain. Sie freut sich über die umfangreiche Sanierung. Es fehlt ihr allerdings die Wetterfahne auf dem Türmchen. Fotos: privat/Grede

Ziegenhain. Ihre Nachbarin hat sich rausgeputzt, freut sich Otti Schwalm. Mit Nachbarin meint die Ziegenhainerin den Altbau der Beruflichen Schulen in Ziegenhain. Das Gebäude in der Hessenallee wurde in den vergangenen zwei Jahren saniert.

Otti Schwalm ist eine Nachbarin der ersten Stunde. Anfangs führte ihr Weg in die Berufsschule noch in eine Baracke auf der Lämmerweide, erinnert sich die 89-Jährige. Groß sei die Freude gewesen, als die Schüler 1941 ins neue Gebäude in der Hessenallee umzogen. „Es entstand ein neues Lernvergnügen und ein neuer Werdegang für Ziegenhain“, ist sie überzeugt. Otti Schwalm, damals noch Haner, besuchte damals die hauswirtschaftliche Klasse. Bei Frau Gombert wurde gestrickt, gestickt und genäht; bei Fräulein Reitzig lernten die Schülerinnen das Kochen in der neuen Küchenzeile. Das war toll, sagt Otti Schwalm, ganz besonders auch, weil die jungen Mädchen in den Pausen die jungen Handwerker aus dem ganzen Kreisgebiet kennenlernen konnten, denn die Meisterschule war war in den oberen Räumen des neuen Schulgebäudes untergebracht.

1951 wurden die Schwalms dann die ersten Nachbarn der Berufsschule. Mit ihrem Mann baute sie das erste Haus am Hamsterbrückchen. Seitdem blickt sie von ihrem Haus auf die Rück- und Seitenansicht des Schulgebäudes. Durch ein paar weitere Neubauten entstand schließlich der Eichendorffweg, dazu kamen drei Häuser in der Hessenallee und die Freifläche zwischen den Schwalms und der Schule war komplett bebaut. „Ziegenhain-Süd“ sei damals ein besonderes Fleckchen gewesen, meint die 89-Jährige. „Man kam schnell in die Vorstadt und in die Festung.“ Zu Fuß natürlich. Aus dem ganzen Kreisgebiet kamen die Schüler. „Das war wie eine Völkerwanderung durch unseren Eichendorffweg.“

Vorteile sahen die Schwalms so einige in der Nachbarschaft. Ihr Blick sei immer auf die Schuluhr gerichtet gewesen, sagt die Ziegenhainerin. Kein Ast durfte die Sicht nehmen. Und die Schwiegermutter konnte Dank der Wetterfahne das Wetter voraussagen.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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