Vom Nachbarn angezeigt: Junger Mann fuhr ohne Fahrerlaubnis im Dorf

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Treysa. Ein junger Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis musste sich vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, mit einem Auto durch seinen Heimatort gefahren zu sein, obwohl er keinen Führerschein besitzt. 

Ein Nachbar hatte ihn angezeigt. Das Verfahren wurden gegen eine Geldbuße von 450 Euro vorläufig eingestellt. Der 20-jährige Familienvater zeigte sich von Anfang an geständig vor Gericht. Er war allein zur Verhandlung gekommen und antwortete mit ruhiger Stimme auf die Fragen des Richters. Der gelernte Maurer gab zu, an jenem Tag im vergangenen Oktober mit dem Opel der Familie durchs Dorf gefahren zu sein. 

Im Juni hatte sich das junge Paar einen Wagen gekauft, denn im April hatte es Zwillinge bekommen. „Wir sind auf den Pkw angewiesen“, sagte der Mann. Seine Frau habe noch nicht die nötige Fahrpraxis, deshalb übernahm er das Steuer. Seine Frau, die keinen Beruf lernte und nun Hausfrau ist, fährt ihn täglich 30 Kilometer zur seiner derzeitigen Arbeitsstelle in einem Hotel und holt ihn auch wieder ab, gab der Mann vor Gericht an.

„Es steht im Raum, dass Sie öfter gefahren sind“, sagte der Richter zu ihm.. Denn der Anwohner hatte den Angeklagten mehrfach ermahnt, das Auto stehen zu lassen, bevor er den Mann anzeigte. Als Zeuge bestätigte er das in der Verhandlung.

Warum er denn den Führerschein nicht ablege, fragte der Richter den jungen Familienvater. Der Angeklagte begann daraufhin seine Finger zu kneten, schaute immer wieder zu Boden. Er habe 2010 die theoretische Fahrprüfung bestanden, durch die Praxis sei er einmal durchgefallen. Ihm fehlte das Geld weitere Fahrstunden zu nehmen. „Ich kann nicht genau sagen, warum ich es nicht noch einmal versucht habe“, fügte er an.

Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe gab an, dass der 20-Jährige aus schwierigen Familienverhältnissen komme. Seine Eltern trennten sich als der vier Jahre alt war, der Vater heiratete wieder, die Mutter lebte in wechselnden Beziehungen. Nach der Förderschule legte er den Hauptschulabschluss ab und absolvierte eine Lehre als Maurer. Nun habe er seine eigene Familie gegründet, erhalte aber Unterstützung durch den Allgemeinen Sozialen Dienst.

„Hätten Sie das Geld mal lieber in den Führerschein gesteckt“, sagte der Richter abschließend. Ein halbes Jahr lang muss der Mann nun 75 Euro monatlich auf ein Konto für gefährdete Kinder im Landkreis zahlen. Zudem wurde er ermahnt, keine weiteren Straftaten zu begehen.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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